S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Sonntag, den 12.04.2026 um 10.30 UTC Bei größeren Unsicherheiten abgesehen von einzelnen Gewittern teils sehr mildes Frühlingswetter. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 19.04.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch liegt ein blockierendes Hoch über dem nordwestlichen Russland. Vom zentralen Mittelmeer erstreckt sich hingegen tiefer Luftdruck über Deutschland hinweg in den Süden Skandinaviens sowie über die Ukraine hinweg nach Asien mit mehreren Tiefkernen. Ein Kern liegt dabei genau über Deutschland, das zugehörige Bodentief befindet sich knapp westlich von uns. Vom Azorenhoch wölbt sich westlich von uns ein Rücken bis zum Ärmelkanal auf, dessen Achse im Verlauf in den Nordwesten Deutschlands schwenkt und dort ein Bodenhoch stützt. Südwestlich von Island liegt hingegen ein hochreichendes Tief auf dem Nordostatlantik. Von diesem ausgehend reicht ein teilokkludiertes Frontensystem über die Britischen Inseln hinweg auf den Atlantik. Dieses kommt im Tagesverlauf etwas ostwärts voran, bis es sich schließlich Donnerstagfrüh vom Europäischen Nordmeer über die Nordsee bis nach Frankreich erstreckt. Bei niedrigen einstelligen Temperaturen in 850 hPa herrscht bei uns meist ruhiges, in der Südosthälfte zu einzelnen Gewittern neigendes Wetter. Am Donnerstag erstreckt sich die Achse des Höhenrückens von den Kanaren über Frankreich und Deutschland hinweg in den Süden Skandinaviens. Dabei verlagert sich die Tiefdruckrinne weiter ostwärts. Gleichzeitig wird ein Randtrog ausgehend von dem Tief bei Island von Schottland ins Europäische Nordmeer geführt. Der Islandtief-Ausläufer greift im Tagesverlauf auf Deutschland über, gelangt dabei jedoch unter zunehmenden Hochdruckeinfluss und verliert dabei an Kontur. Dabei liegt die 850 hPa-Temperatur weiterhin zwischen 0 und 5 Grad Celsius. Im Südosten besteht weiterhin eine geringe Gewittergefahr. Am Freitag läuft sich der Höhenrücken breit und erstreckt sich von den Kanaren bis in den Süden Deutschlands und Kroatien. Die Verbindung zum hohen Luftdruck über Nordwestrussland wird durch eine Tiefdruckrinne gestört, die mit mehreren Kernen von Südskandinavien bis in den Nordosten der Ukraine reicht. Gleichzeitig steuert das Zentraltief nahe Island ein hochreichendes Randtief vom Atlantik knapp nördlich von Schottland. Der hohen Luftdruck über Deutschland kann durch einzelne kurzwelligen Anteile bei niedrigen einstelligen 850 hPa-Temperaturen gestört werden. Einzelne Gewitter mit Starkregen sind gering wahrscheinlich - besonders nach Südosten zu. Am Samstag schwächt sich das Randtief bei Schottland auf dem Weg ins Europäische Nordmeer allmählich ab. Gleichzeitig tropft ein weiterer Trog vom Atlantik her knapp nordwestlich von Spanien ab. Dabei kann sich der Höhenrücken regenerieren. Dessen Achse erstreckt sich Sonntagfrüh vom nordwestlichen Afrika über Norditalien bis Finnland und Westrussland. Der okkludierte Ausläufer des Randtiefs erreicht den Nordwesten Deutschlands, kommt aber aufgrund seiner zunehmend strömungsparallelen Lage nicht weiter ostwärts voran und schwächt sich allmählich unter Hochdruckeinfluss ab. Auf dessen Vorderseite wird etwas mildere Luft in den Südwesten Deutschlands geführt mit 8 Grad Celsius in 850 hPa, im Nordosten liegt weiterhin kältere bei Temperaturen knapp über Null Grad. Tagsüber besteht im Südosten weiterhin eine geringe Gewitterneigung. Am Sonntag liegt die Achse des Höhenrückens weiterhin über uns. Am Boden stützt dieser ein Hoch über Nordwestrussland, das sich bis in den Nordosten Deutschlands erstreckt. Der Höhenrücken wird aber zum Einen von einem Höhentief über der Ostsee gestört. Zum Anderen zieht das abgetropfte Höhentief von Nordspanien nach Südwestfrankreich. Am Boden wird dabei eine Tiefdruckzone induziert, die bis in den Westen Deutschlands reicht. Dort sind in der Folge einzelne Gewitter mit Starkregen, Sturmböen und Hagel möglich. In der erweiterten Mittelfrist von Montag bis Mittwoch zieht das Höhentief von Südwestfrankreich bis in den Norden Deutschlands. Die Tiefdruckrinne verlagert ihren Schwerpunkt zusammen mit milderer Luft (T 850 hPa 4 bis 10 Grad Celsius) ebenfalls nach Deutschland. Entsprechend stellt sich wechselhaftes, zu Gewittern neigendes Wetter ein. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz ist bereits zu Beginn der Mittelfrist recht schlecht. Während der gestrige 00 UTC-Lauf ein Höhentief über Ostfrankreich rechnet, liegt es im gestrigen 12 UTC-Lauf über Dänemark. Im aktuelle IFS-Lauf werden zwei Höhentiefs gerechnet, eins über Nordhessen, und eins über dem Skagerrak. Dies hat bereits Auswirkungen auf den nachfolgenden Höhenrücken und dessen Achse, der sich entsprechend sowohl in seiner Amplitude als auch seines zeitlichen Aufzugs unterscheidet. Am Freitag und Samstag war die Achse des Höhenrückens über Deutschland in den Vorläufen noch etwas besser konturiert, im aktuellen Lauf wird tiefer Luftdruck über der Ostsee stärker betont. Auch der im Laufe des Wochenendes vom Atlantik nahende Tiefdruckeinfluss scheint von Modellauf zu Modelllauf noch zu springen. Während nach dem gestrigen 00 UTC-Lauf ein eigenständiges, hochreichendes Tief bei den Britischen Inseln abtropfen soll, wurde im gestrigen 12 UTC-Lauf lediglich ein von den Britischen Inseln nach Skandinavien ziehender Randtrog gerechnet. Im aktuellen IFS-Lauf erfolgt der Abtropfprozess hingegen nach Nordspanien. Der Einfluss tiefen Luftdrucks zur neuen Woche scheint also durchaus gegeben zu sein. Die Details sind aber noch äußerst unsicher. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Entsprechend ist es auch nur wenig verwunderlich, dass sich die Konsistenz zwischen den verschiedenen Mittelfristmodellen ebenfalls schlecht gestaltet. Zu Beginn der Mittelfrist wird von allen Modellen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Höhentief gerechnet. Ob dies aber über Schweden (UK10), der Ostsee (ICON), der Lübecker Bucht (GFS) oder Nordhessen (IFS) liegt, ist unklar. Im weiteren Verlauf lassen alle Modelle den tiefen Luftdruck nordöstlich oder östlich von Deutschland. Von Westen her schiebt sich ein Höhenrücken nach Deutschland. Dessen Ausprägung und Timing wird jedoch, wie schon bei den vergangenen IFS-Läufen, unterschiedlich simuliert. ICON simuliert diesen wohl am glattesten. Nach GFS liegt hingegen ein hochreichendes Tief knapp östlich von uns und kann die Osthälfte Deutschlands noch beeinflussen. Der zur neuen Woche voraussichtlich zunehmende Tiefdruckeinfluss ist ebenfalls noch unsicher. ICON rechnet einen Randtrog bis nach Deutschlands. Nach GFS wandert das hochreichende Tief allmählich über Tschechien und Norditalien in den Süden Deutschlands. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Schaut man in die Clusteranalyse, zeigt sich aufgrund der großen Unsicherheiten ab Freitag (t+120h) lediglich ein einziges Cluster. Lediglich im ersten Zeitschritt der Analyse von Mittwoch bis Donnerstag (t+72 bis t+96h) werden 5 verschiedene Cluster angeboten. Bei allen ist der Höhenrücken über Mitteleuropa mehr oder weniger gut ausgeprägt und Störungen in Form etwaiger Höhentiefs werden unterschiedlich verortet und betont. Insgesamt dominiert über alle Zeitschritte der Clusteranalyse hinweg das klimatologische Regime "Blocking", was auf den hohen Luftdruck über Nordosteuropa bzw. Westrussland zurückzuführen ist. Auch die Rauchfahnen zeigen die erwähnten Unsicherheiten. Bereits zu Beginn der Mittelfrist am Mittwoch ist die Streuung der Temperatur recht groß. Insbesondere nach Norden und Westen zu liegt der Kontrolllauf tendenziell im unteren Drittel der Verteilung. Es besteht also noch die Möglichkeit, dass wir dort wärmer in die Mittelfrist starten. Auch was das Geopotenzial angeht, scheint der Kontrolllauf durchaus etwas niedriger auszufallen als das Mittel der Verteilung. Nach Süden und Osten zu fällt der Kontrolllauf einigermaßen gut mit dem Mittel der Verteilung zusammen. In der erweiterten Mittelfrist liegt die Temperatur und das Geopotenzial des Kontrolllaufs jedoch zunehmend über dem Mittel. Niederschlagssignale ziehen sich durch die gesamte Mittelfrist. Lediglich zu Beginn scheint die Niederschlagsneigung im Westen gering, am Freitag dann im Nordosten. FAZIT: In der Mittelfrist zeigt sich die Nichtlinearität der Atmosphäre in ihrer vollen Pracht. Etwaige Höhentiefs lassen sich bereits zu Beginn der Mittelfrist nur bedingt beschreiben. Das bei uns vorherrschende ruhige, teils sehr milde und zeitweise hochdrucklastige Frühlingswetter kann in der Folge von meist schwachen atlantischen Tiefausläufern gestört werden, die über Deutschland verenden. Auch eine Störung von Osten kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Aus warntechnischer Sicht stehen jedoch nur einzelne Gewitter auf dem Programm - vornehmlich in der Südosthälfte. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Frost spielt in der Mittelfrist vermutlich keine große Rolle mehr. Einzig zu Beginn kann in ungünstigen Tallagen des Berglands noch einmal leichter Frost auftreten. Ansonsten besteht auf der Vorderseite der vom Atlantik aufziehenden Luftmassengrenzen in der warmen Luft im Bereich der Südosthälfte eine geringe Gewittergefahr. Aufgrund mangelnder Dynamik und beschränkter Höhenwinde sollte bei PPWs um 20 mm lediglich lokaler Starkregen eine Rolle spielen. Bei trockenen Fallwinden lässt sich eine vereinzelte stürmische Böe nicht ganz ausschließen. Hagel sollte jedoch kein Thema sein. Je nach Modell werden auf der Vorderseite eines nach Mitteleuropa schwenkenden Trogs bereits ab der Nacht zum Sonntag im Westen und Nordwesten einzelne Gewitter simuliert. Diese hätten in der Folge etwas mehr Dynamik und könnten mit Starkregen, Sturmböen sowie Hagel einhergehen. Die genaue Entwicklung bleibt aber erst einmal abzuwarten. Der EFI liefert keine signifikanten Signale. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage IFS, IFS-EPS, MOS-MIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / MSc.-Met. Sebastian Schappert