S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 05.05.2026 um 10.30 UTC Nach kurzer Wetterberuhigung am Freitag am Wochenende bei hohem Temperaturniveau wieder zunehmendes Gewitterpotenzial, lokal Unwetter. Zum Wochenbeginn Abkühlung und weiter wechselhaft. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 12.05.2026 Wohin geht die Reise in der Mittelfrist? Kehrt das trockene, sonnige und warme Frühlingswetter zurück oder sind weitere, für die Natur wichtige Regenfälle zu erwarten? Oder ist sogar ein Kaltlufteinbruch der Marke Eisheiligen in Sicht? Die kurze Antwort lautet: Zunehmend wechselhaft mit Schauern und teils kräftigen Gewittern auf anfangs hohem, nachfolgend deutlich absinkendem Temperaturniveau mit Eisheiligen-Touch. Im Detail beginnt die Mittelfrist am Freitag mit einem positiv geneigten Langwellentrog, der sich vom Nordmeer und Nordskandinavien bis ins Seegebiet westlich der Iberischen Halbinsel erstreckt. Darin eingelagert sind mehrere Drehzentren, aber auch Randtröge. Diese ziehen in der über Mitteleuropa südwestliche Höhenströmung nach Nordosten, wobei sich einer davon am Freitagnachmittag über Polen auflöst. Bodennah gibt es korrespondierend zum Langwellentrog westlich der Iberischen Halbinsel einen Tiefkomplex, auf dessen Vorderseite aus Süden milde und teils noch etwas feuchte Subtropikluft nach Deutschland verfrachtet wird, sodass die T850 hPa zwischen 3 Grad im Norden und 10 Grad im Süden liegt und trotz leicht antizyklonal angehauchter Höhenkonfiguration (SEa) zumindest vereinzelt Konvektion möglich ist. Am Samstag ändert sich nicht viel an dieser Lage, es wird aber etwas mehr Konvektion gerechnet, insbesondere im Westen und Süden. Die T850 hPa steigt auf 5 Grad im Norden bis 12 Grad im Süden. Am Sonntag formiert sich aus einem Drehzentrum über der Bretagne ein Randtrog, der über dem Ärmelkanal eine Zyklogenese auslöst (Übergang zu TrW). Das zugehörige Bodentief lenkt im Warmsektor zunehmend feuchte und sehr warme Luft nach Deutschland, wobei von Südwesten auch die Konvektion zunimmt. Bei CAPE-Werten von teils über 2000 J/kg sind lokal kräftige Gewitter mit Sturmböen, Hagel und Starkregen wahrscheinlich und vereinzelte Unwetter nicht ausgeschlossen. Zum Abend hin erreicht die Kaltfront des Tiefs den Westen Deutschlands, in der Nacht zum Montag verlagert sie sich etwa bis zur Mitte. Zuvor steigen die T850 hPa auf 9 Grad im Norden bis 14 Grad im Süden. Am Montag schwenkt der Randtrog unter Abflachung über die Nordsee nach Norwegen, das zugehörige Bodentief zieht in die Nordsee. Gleichzeitig erfolgt innerhalb des Langwellentrogs westlich der Britischen Inseln ein Kaltluftvorstoß nach Süden, der über den Britischen Inseln tiefen Druck generiert. Dieser neue Tiefdruckkomplex erhält die südwestliche Strömung, mit der weiterhin feuchte Luft nach Deutschland gelangt. Die über der Mitte des Landes liegende Kaltfront wird mit dem neuen Tiefdrucksystem rückläufig, sodass die T850 hPa erneut auf 9 bis 15 Grad steigen. CAPE erreicht wieder Werte bis nahe 2000 J/kg, womit weiterhin teils kräftige Gewitter auftreten. Am Dienstag formiert sich aus dem Kaltluftvorstoß über den Britischen Inseln ein Höhentief, das nach Frankreich steuert. Das Tiefdrucksystem wandelt sich dann zu einem Tief über der Nordsee um, das Frontensystem überquert Deutschland. Nachfolgend kommt mit westlicher Strömung kühlere Meeresluft mit T850 hPa von 4 bis 7 Grad nach Deutschland. Mit dem Frontensystem bleibt es unbeständig mit Schauern und Gewittern, die Labilität nimmt mit ausgeräumter Warmluft merklich ab. In der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch zieht das Höhentief nach Mitteleuropa (TrM) und sorgt weiterhin für wechselhaftes Wetter. Bei Strömungsdrehung auf Nordwest sinken die T850 hPa allerdings auf -2 bis 3 Grad. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis zum Samstag herrscht bei den letzten 3 Läufen des EZMW Einigkeit, womit die Konsistenz bis dahin gut ist. Danach tauchen zunehmend Unsicherheiten bezüglich des Randtrogs über der Bretagne auf, in den Vorläufen wurde dies noch als abtropfendes Höhentief westlich der Iberischen Halbinsel gerechnet. Nachfolgend gab es auch kein neues Höhentief bei den Britischen Inseln. Damit werden Montag und Dienstag unbeständiger als bei den gestrigen Läufen. Der Kaltlufteinbruch in der erweiterten Mittelfrist ab Mittwoch ist ebenfalls neu. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen ICON und GFS ähneln dem EZMW bis zum Sonntag größtenteils, belassen das Höhentief dann aber im Norden statt über dem Süden der Britischen Inseln. Auch damit wäre es bei uns wechselhaft, es würde jedoch früher, in der erweiterten Mittelfrist dagegen nicht ganz so stark abkühlen. Bei den KI-Modellen scheiden sich die Geister ebenfalls beim neue Höhentief bei den Britischen Inseln ab Montag. Es finden sich Lösungen, bei denen es westlich der Britischen Inseln, über der Biskaya oder sogar über dem Nordmeer liegt. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen RAUCHFAHNEN: Die Rauchfahnen des EZMW-Ensembles sind bis zum Samstag eng gebündelt, was der Vorhersage Sicherheit verleiht. Ab Sonntag öffnen sich die Kurven, ab Montag sogar deutlich. Insbesondere werden einige kältere Lösungen auf niedrigerem Geopotenzial offenbar, sodass Anfang der Woche der Trog bereits näher an Mitteleuropa heran käme und TrM früher eintreffen würde. Der Kontrolllauf bewegt sich dann stets am oberen Rand der Verteilungen. Während der Median ab diesem Zeitpunkt beim T850 hPa verschwimmt, ist er beim Geopot 500 hPa auf den absteigendem Ast. Das lässt vermuten, dass der Trog früher oder später voraussichtlich auf Mitteleuropa zusteuert. Rückseitig dürfte es dann auch eine Abkühlung geben. Niederschlagssignale finden sich am Freitag selten, ab Samstagabend/Sonntag allerdings wiederholt. CLUSTER: Von Sonntag 0 UTC bis Dienstag 0 UTC werden 3 Cluster ausgegeben (NAO+ oder Atlantischer Rücken). Unterschiede sind beim Höhentief über den Britischen Inseln vorhanden. C1 sieht dem Hauptlauf ähnlich, bei C2 ist das Höhentief eher ein Randtrog, aber an ähnlicher Position. Statt eines Tiefdruckkomplexes über den südlichen Britischen Inseln gäbe es dann ein Tief über dem Bottnischen Meerbusen (kühler, nicht ganz so unbeständig). Von Mittwoch 0 UTC bis Freitag 0 UTC sind 4 Cluster notwendig. Sie unterscheiden sich teils gravierend, sodass sich eine Diskussion erübrigt. Allerdings unterstreicht das die Vorhersageunsicherheit in der erweiterten Mittelfrist. FAZIT: Nach kurzer Pause am Freitag und teils noch am Samstag nimmt das Gewitterpotenzial von Südwesten her am Wochenende und zum Wochenbeginn wieder zu. Bei erhöhten CAPE-Werten und etwas Scherung sind durchaus kräftige Entwicklungen möglich und lokale Unwetter nicht ausgeschlossen. Das zuvor hohe Temperaturniveau wird ab Montag, spätestens aber am Dienstag mit Durchzug einer Kaltfront voraussichtlich gestutzt. In der erweiterten Mittelfrist bleibt es bei zunehmender Vorhersageunsicherheit vermutlich unbeständig, wobei es dann sogar Optionen für noch kühleres Wetter (Eisheilige?) gibt. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GEWITTER: Von Samstag bis Montag liegen seitens EFI Signale für erhöhte CAPE- und CAPE-SHEAR-Werte vor. Bei CAPE-Werten zum Teil um 2000 J/kg muss mit starken Gewittern mit Sturmböen, Hagel und Starkregen gerechnet werden. Lokal sind bei etwas erhöhter Scherung (LLS und DLS 5 bis 10, lokal um 20 m/s) und PPWs von 20 bis 25 mm unwetterartige Entwicklungen nicht auszuschließen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOSMIX, EZMW, EZMW-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Simon Trippler