S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 04.04.2026 um 10.30 UTC Bis Wochenmitte warm, danach wechselhaft, ab dem zweiten Aprilwochenende wieder freundlicher, nur geringe Niederschlagsneigung, aber erneut mit Frostgefahr. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 11.04.2026 Am Dienstag liegt Deutschland an der Ostflanke eines Höhenkeils, der sich von den Westalpen bis nach Ostgrönland erstreckt. Flankiert wird dieser Keil von einem Trog über Osteuropa, so dass sich über Deutschland eine nordwestliche Strömung ergibt. Die im Randbereich des Troges zuvor eingeflossene Polarluft gelangt unter Hochdruckeinfluss und erwärmt sich daher zusehends. Während im Westen und Süden die 20 Grad-Marke merklich überschritten wird, sind im Nordosten und daher in Trognähe nur um oder etwas über 10 Grad zu erwarten. In der Nacht zum Dienstag besteht dort zudem Frostgefahr. Am Mittwoch greift der Höhenkeil auf Deutschland über. Das durch diesen Keil gestützte Bodenhoch liegt mit seinem Schwerpunkt zwar über der Barents-See, aber der hiervon ausgehende Keil erstreckt sich bis ins östliche Mitteleuropa. Absinken in dessen Bereich bewirkt eine weitere leichte Erwärmung, die jedoch im Nordosten durch die mit einer östlichen bodennahen Strömung kaum zum Tragen kommt. Daher muss dort auch in der Nacht zum Donnerstag noch einmal mit leichtem Frost oder zumindest Frost in Bodennähe gerechnet werden. Derweil tropft der über Osteuropa liegende Trog aus, so dass sich ein Höhentiefkomplex mit Kernen über der Ukraine und Westrussland ergibt. Gleichzeitig greift ein markanter Trog auf Irland über. Beide Strukturen bringen eine Verkürzung der Wellenlänge des über Mitteleuropa liegenden Höhenkeils mit sich. Dieser ist am Donnerstag zwar noch über Deutschland zu finden. Der nachfolgende Trog erreicht bereits die Nordsee und tropft in Richtung Benelux-Staaten aus. Mit der korrespondierenden Tiefdruckrinne, die dann den Nordwesten und Westen Deutschlands erfasst, kommen Schauer und einzelne Gewitter auf. Bedingt durch die diffluente Vorderseite des Troges sind im Nordwesten und Westen Deutschlands auch heftigere Gewitter bis hin zu Sturmböen vorstellbar. Diese leiten einen markanten Temperaturrückgang ein. Die Niederschläge, die in der Nacht zum Freitag weiter nordostwärts übergreifen, gehen dann oberhalb 800 bis 1000 m in Schnee über. Am Freitag wird das aus dem o.g. Cut-Off-Prozess hervorgegangene Höhentief durch den über Osteuropa liegenden Höhentiefkomplex "eingefangen". Hierdurch wird der Weg frei für einen Höhenkeil, der auf Westeuropa und die Nordsee übergreift. Dieser weitet sich, gestützt durch Warmluftadvektion über dem Nordmeer, nach Skandinavien aus und dockt an das über dem Weißen Meer liegende Höhenhoch an. Zwischen diesem Keil und dem osteuropäischen Höhentiefkomplex ergibt sich eine nördliche, in bodennahen Schichten nordöstliche Strömung, wodurch Kaltluft advehiert wird. Tagsüber dürfte daher die Schneefallgrenze nicht wesentlich ansteigen. Gegenüber den Vortagen erfolgt ein spürbarer Temperaturrückgang. Bis Samstagfrüh verlagert sich das Höhentief, das nunmehr Bestandteil des Höhentiefkomplexes über Osteuropa ist, zur Ungarischen Tiefebene. Der hiervon ausgehende Trog schwenkt zu den Alpen und sorgt dort für kräftige Schneefälle, im Nordstau sind oberhalb 600 bis 800 m 10 bis über 20 cm Schnee möglich. Ansonsten setzt sich von Norden her antizyklonaler Einfluss durch, die Niederschläge werden in den Süden Deutschlands abgedrängt und dort, wo es längere Zeit aufklart, besteht Frostgefahr. Am Samstag lassen die Niederschläge an den Alpen nach, allerdings können am Rande des osteuropäischen Höhentiefs auf den Nordosten Deutschlands erneut geringe Niederschläge übergreifen. Ansonsten bleibt es unter antizyklonalem Einfluss trocken, aber kühl. Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum kräftigt sich das über Fennoskandien liegende Hoch. An dessen Südflanke wird mit einer nordöstlichen bodennahen Strömung weiterhin kühle Luft advehiert. Ein Temperaturanstieg ist daher nicht in Sicht, in den Nächten muss bei Aufklaren wieder vermehrt mit leichtem Frost oder zumindest Frost in Bodennähe gerechnet werden. Bedingt durch den weiterhin über Osteuropa liegenden aktiven Höhentiefkomplex hält sich im Osten und Südosten Deutschlands leicht zyklonaler Einfluss mit gelegentlichen und meist geringen Niederschlägen, die oberhalb etwa 1000 m meist als Schnee fallen. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Bis einschließlich Donnerstag ist der aktuelle Modelllauf zu den gestrigen Simulationen weitgehend konsistent. Am Freitag lässt der heutige Lauf die Kaltluft mit dem osteuropäischen Höhentiefkomplex rascher nach Westen vorstoßen. Am Samstag wäre nach dem gestrigen 00 UTC-Lauf ein weiterer von der Nordsee übergreifender Trog zu erwarten. Hiervon ist bereits der 12 UTC-Lauf abgewichen und hat Fokus auf den Höhentiefkomplex gelegt, was der oben beschriebenen Version entspricht. Das blockierende Hoch über Fennoskandien, das der aktuellste Modelllauf im Programm hat, war bei weiter zurückliegenden Modellläufen nicht zu sehen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die Unterschiede in der Konsistenzbetrachtung lassen sich auch bei den Prognosen der einzelnen Modelle finden. Während ab dem zweiten Aprilwochenende die oben beschriebene Entwicklung von GFS und auch vom Modell des kanadischen Wetterdienstes gestützt wird (was als das wahrscheinlichere Szenario anzusehen ist), wäre ab Samstag nach ICON und etwas rascher auch von UK10 von der Nordsee her ein weiterer Trog zu erwarten, was der Version des 00 UTC-Laufes des EZMW vom Vortag nahekommt. Bemerkenswert ist der heftige Kaltlufteinbruch, der vom kanadischen Modell gezeigt wird. Demnach wären deutschlandweit ab dem zweiten Aprilwochenende tagsüber kaum noch 10 Grad zu erwarten. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Das EPS des GFS folgt der oben beschriebenen Entwicklung und zeigt bis über das zweite Aprilwochenende hinaus Signale für ein blockierendes Hoch mit Schwerpunkt über Lappland. Weiter zurückliegende Modellläufe hatten diese Entwicklung noch nicht so ausgeprägt geboten. Der Spread ist insgesamt gering, aber es gibt ein paar Lösungen, die die am Donnerstag/Freitag erfolgende Abkühlung nicht mittragen. Das EPS des EZMW stützt die oben beschriebene Version und weist zudem einen geringen Spread auf. Dies deutet auf eine länger andauernde Blockierung hin. Allerdings lässt sich die Version des gestrigen 00 UTC-Laufes (mit dem erneut von Westen übergreifenden Trog) immerhin bei 20 EPS-Membern finden. Dieses Szenario, bei welchem ein markanter Temperaturrückgang ausbleiben würde, ist demnach noch nicht vom Tisch, zudem tendiert AIFS single in diese Richtung. Beim AIFS-EPS ist ab Samstag kommender Woche keine Aussage mehr möglich. Beim Clustering gemäß Großwetterlagen lassen sich für den von Westen übergreifenden Trog keine Indizien finden. Dieses Verfahren zeigt dagegen im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum bei einem reichlichen Drittel der Einzellösungen zyklonale Ostlagen, was die dann etwas zunehmenden Niederschlagssignale erklärt. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Am Dienstag und Mittwoch sind keine markant zu bewarnenenden Wetterereignisse zu erwarten. Allerdings besteht in den Nächten vor allem im Nordosten Deutschlands die Gefahr von leichtem Frost oder zumindest Bodenfrost. Am Donnerstag können in Verbindung mit einer Tiefdruckrinne auf den Nordwesten und Westen Deutschlands Gewitter übergreifen, dabei sind Sturmböen nicht auszuschließen. Diese erfassen danach den Süden, klingen in der Nacht jedoch alsbald ab. Am Freitag setzt an den Alpen Schneefall ein, der in Staulagen bis weit in den Samstag hinein andauert. Oberhalb 800 bis 1000 m können dabei 10 bis über 20 cm Schnee fallen. Ab dem zweiten Aprilwochenende ist im gesamten Vorhersagegebiet in den Nächten bei längerem Aufklaren wieder mit leichtem Frost oder zumindest Frost in Bodennähe zu rechnen. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage EPS, anfangs MOS, Temperaturen ab Wochenmitte tagsüber eher hin zu tieferen Werten korrigieren ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Thomas Schumann