S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 12.03.2026 um 10.30 UTC Nach wechselhaftem Start Übergang zu ruhigem und mildem Frühlingswetter. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 19.03.2026 Zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am kommenden Sonntag befinden sich zum einen ein ausgedehntes Höhenhoch über Russland und ein zweites Höhenhoch über dem Atlantik. Diese beiden Druckgebilde werden durch einen Kurzwellentrog getrennt, der sich mit seiner Achse vom Europäischen Nordmeer über die Nordsee und Benelux bis ins westliche Mittelmeer erstreckt. Im Tagesverlauf tropft dieser über dem Mittelmeer ab und das entstandene Höhentief zieht nach Algerien. Das nördliche Trogresiduum schwenkt über Deutschland hinweg. An dessen Vorderseite ist eine Okklusion zu finden, die vor allem über der Südosthälfte Deutschlands noch etwas Regen bringt. Zudem zieht über dem Atlantik ein weiteres kräftiges hochreichendes Tief im Tagesverlauf südlich an Island vorbei und erreicht in der Nacht zum Montag die Shetlands. Die dazugehörige Okklusion erfasst in der Nacht zum Montag den Westen und Nordwesten Deutschlands mit neuen Niederschlägen, die in den höchsten Lagen der Mittelgebirge teils mit Schnee vermischt sein können. Am Montag zieht das hochreichende Tief unter allmählicher Auffüllung weiter zur südlichen Norwegischen See. Die Okklusion kommt weiter südostwärts voran und sorgt für einen unbeständigen Tag in Deutschland. Östlich von Neufundland kommt es indes zu einem neuen, mit polarer Kaltluft gefüllten, Trogvorstoß. Dieser kommt im Tagesverlauf unter starker Amplifizierung rasch ostwärts voran. Im Bodendruckfeld hat sich bereits am Vortag eine Welle entwickelt, die sich entwicklungsgünstig auf der Trogvorderseite befand. Daher ist nicht verwunderlich, dass sich daraus im Laufe des Montags ein umfangreiches Tiefdruckgebiet entwickeln soll, das sich zum neuen steuernden Tief über dem Atlantik mausert. Am Abend befindet es sich mit seinem Kern bereits südlich von Island. Bedingt durch die westliche Anströmung bleibt es in Mitteleuropa weiterhin recht mild mit vielfach zweistelligen Höchstwerten in den Niederungen Deutschlands. Am Dienstag amplifiziert sich der Höhentrog über dem Atlantik weiter. Im Bodendruckfeld dreht weiterhin das dazugehörige steuernde Tiefdruckgebiet nun mit mehreren Druckzentren südlich und östlich von Island seine Kreise. Die Warmfront des Tiefs schwenkt im Tagesverlauf über Deutschland hinweg. Da östlich des Trogs allerdings ein Höhenrücken auf Deutschland übergreift, ist diese Front wenig wetterwirksam und bringt nur im Nordwesten geringfügigen Regen. Der Westen und Nordwesten gelangt somit in den Warmsektor, sodass die Temperaturen dort in 850 hPa auf 2 bis 6 Grad ansteigen. Mit dieser milden Luftmasse klettern die Temperaturen in den Niederungen im Westen wieder über die 15-Grad-Marke. Am Mittwoch befindet sich Mitteleuropa unter dem Einfluss des erwähnten Rückens. Nach Lesart des heutigen IFS-Laufs nimmt dieser im Tagesverlauf Kontakt mit dem Hoch über Russland auf. Somit reicht dessen Achse von Russland über die mittlere Ostsee zur Nordsee und weiter über dem Ärmelkanal und Frankreich bin ins westliche Mittelmeer. Über Südosteuropa sind mehrere Höhentiefs unterwegs, die dort die Progression des Rückens nach Osten ausbremsen. Im Bodendruckfeld kann sich das Hoch über Russland und Osteuropa allmählich bis nach Mitteleuropa ausdehnen. Somit erwartet uns ein recht freundlicher Frühlingstag mit viel Sonnenschein und recht milden Höchstwerten von 12 bis 18 Grad. Am Donnerstag ändert sich an den großräumigen Strömungsmustern recht wenig. Deutschland befindet sich weiterhin im Einflussbereich des hohen Geopotentials in der Höhe und des osteuropäischen Bodenhochs, das sich allerdings allmählich wieder ostwärts zurückzieht. Dennoch bleibt uns voraussichtlich das milde und überwiegend freundliche Wetter erhalten. In der erweiterten Mittelfrist bleibt die blockierende Strömungskonfiguration bestehen. Für Mitteleuropa unsicher ist noch, wo sich der Schwerpunkt des Hochs befindet. Eher wieder zyklonalerer Einfluss ist genauso möglich wie eine Fortdauer des ruhigen Hochdruckwetters. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Zu Beginn kann die Konsistenz der letzten IFS-Läufe als recht konsistent eingestuft werden. Die großräumigen Strömungsmuster werden ähnlich simuliert. Größere Unsicherheiten werden erst ab Dienstag/Mittwoch mit dem Übergreifen des Rückens auf Mitteleuropa erkennbar. Dies liegt an Höhentiefs über Südosteuropa und dem zentralen Mittelmeerraum, deren Zugbahn von den einzelnen Läufen noch unterschiedlich simuliert werden. Somit ist noch unklar, wo sich der Schwerpunkt des Höhenhochs ausbildet und wie die Achsenneigung des Rückens verläuft. Allerdings ist dies mehr von akademischem Interesse, da die Auswirkungen auf das Wetter - zumindest über Deutschland - eher gering sein dürften. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Auch die anderen Globalmodelle liefern keine wesentlich neuen Erkenntnisse. Auch hier treten erst mit dem Rücken bzw. den Höhentiefs über Südosteuropa und dem zentralen Mittelmeer unterschiedliche Strömungsmuster zu Tage. Beispielhaft liegen Mittwochmittag bei IFS ein Höhentief über dem südöstlichen Mitteleuropa und ein weiteres über Süditalien, während sich bei GFS ein kräftiges Höhentief über der Adria befindet. Beide Konstellationen führen zu einer eher zonal ausgerichteten Rückenachse über Nordosteuropa und dem nördlichen Mitteleuropa. Bei ICON hingegen befindet sich zu diesem Zeitpunkt ein nur schwach ausgeprägtes Höhentief über der Adria und ein kräftigeres über der östlichen Ukraine. Diese Verteilung hat eine deutlich meridionalere Ausrichtung der Rückenachse zur Folge, welche vom westlichen Mittelmeer über Frankreich nach Schweden reicht. Auf das freundliche und milde Wetter in Deutschland hat dies aber, wie angesprochen, wenig Einfluss. FAZIT: Der vorübergehend wechselhaftere und durch Tiefdruck geprägte Wettercharakter findet im Laufe der Mittelfrist bereits wieder ein Ende. Bis Montag/Dienstag sorgen noch durchschwenkende Fronten gebietsweise für Niederschläge. Spätestens ab Mitte kommender Woche stellt sich aber wieder ruhiges und oft freundliches Hochdruckwetter ein. Dabei steigen mit der immer kräftiger werdenden Sonne und unterstützt durch Warmluft in der Höhe die Temperaturen wieder deutlich an, in den Niederungen in der Südwesthälfte wird die 15-Grad-Marke wieder verbreitet überschritten. Im Nordosten ist es mit "nur" niedrigen zweistelligen Höchstwerten etwas weniger mild. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Rauchfahnen stützen im Wesentlichen die beschriebenen Strömungskonfigurationen. Das Geopotential steigt nach dem Trogdurchgang am Montag deutlich an, dabei nimmt der Spread etwas zu, wobei die überwiegende Schar hohes Geopotential anzeigt. Die 850hPa-Temperaturkurven fächern schon ab Dienstag deutlich auf. Bei den Niederschlägen zeigen sich bis Montag/Dienstag noch deutliche Peaks, die den wechselhaften Wettercharakter mit Frontdurchgängen untermauern. Nachfolgend setzt sich ruhiges und überwiegend trockenes Wetter durch. Bei den Clusteranalysen werden im Zeitpunkt t_120h-168h nur zwei Cluster angeboten mit Haupt- und Kontrolllauf in Cluster 1 (28 Member). Dabei wird in beiden ein Übergang von einer positiven NAO hin zu einer Blockinglage gezeigt. In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden die einzelnen Member in drei Cluster (21, 21 und 9 Member) gruppiert. Der Hauptlauf befindet sich in Cluster 2. Der für Mitteleuropa relevanteste Unterschied zwischen Cluster 1 und 2 ist, dass bei Cluster 1 der Hochdruckeinfluss anhält, während Cluster 2 zyklonaler ist. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen WIND/STURM: In der Nacht zum Montag frischt mit Frontdurchgang der Wind vorübergehend mal auf. An der Nordfriesischen Küste sind dann einzelne stürmische Böen möglich. ICON-EPS zeigt auch geringe Wahrscheinlichkeiten für die Hochlagen von Harz und Eifel sowie die Leelagen der Eifel. Ansonsten sind in der Mittelfrist keine markanten Wetterereignisse zu erwarten. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage ICON, IFS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel