S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 23.01.2026 um 10.30 UTC Schmuddelwetter ohne echte Highlights __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 30.01.2026 In der Mittelfrist kehrt keine Ruhe ein. Tiefdruckgebiete geben sich die Klinke in die Hand. Den Anfang macht am Montag ein Cut-Off Tief aus einem breiten Trog über Mitteleuropa. Es löst sich am frühen Morgen über Südpolen und zieht in der Folge nordostwärts. Das korrespondierende Höhentief liegt zunächst über Mitteldeutschland, holt aber im Tagesverlauf auf. Vorderseitig des Tiefs wird sehr feuchte und milde Luft (-1 bis +2 Grad in 850 hPa) aus dem Adriaraum und Südosteuropa angesaugt. Rückseitig wird jedoch deutlich kältere Luft (-4 bis -7 Grad in 850 hPa) aus Skandinavien herangeführt. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands fällt teils kräftiger Niederschlag. In der Mehrheit wird es sich um Schnee handeln. Gerade anfangs ist jedoch im Nordosten auch Regen möglich, der unter Umständen auf kalten Böden gefrieren kann. Nach Westen und Süden hin werden die Niederschläge rasch weniger, bei -1 bis -6 Grad in 850 hPa fällt im Bergland Schnee, in den Niederungen mitunter aber auch Regen oder Schneeregen. Aufgrund des zunehmenden Druckgradienten im Nordosten Deutschlands frischt der Wind auf und weht an der Ostseeküste mitunter stark bis steif aus nordöstlicher Richtung. Dienstagfrüh liegt das Tief über Polen und verlagert sich im weiteren Verlauf ost-nordostwärts. Die Niederschläge ziehen mit und ab, gerade in den Morgenstunden sind aber noch leichte Schneefälle im Nordosten und äußersten Osten möglich. Auch der Druckgradient fächert wieder auf und der Wind lässt nach. Etwa zeitgleich löst sich aus einem Trog über Westeuropa ein Tief knapp nordwestlich der Bretagne. Es verlagert sich im Tagesverlauf ebenfalls ost-nordostwärts und lenkt in den Nachmittagsstunden seine Warmfront in den Westen und Südwesten Deutschlands. In 850 hPa steigt die Temperatur auf rund 0 Grad. Die aufkommenden Niederschläge fallen also bis in eine Höhe von etwa 1200 m als Regen. Wo die Böden noch kalt sind, kann sich Glätte durch gefrierenden Regen bilden. In der Nacht zum Mittwoch weitet sich der Regen in den Nordwesten, die Mitte und in den Süden aus. Die Schneefallgrenze sinkt dabei bis auf 800 m oder leicht darunter. Leidglich von der Ostsee bis an die Ostalpen bleibt es niederschlagsfrei. Mit zunehmendem Druckgradienten im Nordwesten frischt der Wind nun an der Nordsee auf. Dabei sind auf den Inseln stürmische Böen aus östlicher Richtung möglich. Am frühen Mittwochmorgen erreicht die zum Tief (nun über England) gehörige Kaltfront den Westen Deutschlands. Das System beginnt allmählich zu okkludieren, was die Progression der Fronten nach Osten dämpft und sie von Nord nach Süd über der Mitte Deutschlands quasi-stationär werden lässt. Im Übergangsbereich von milder zu kalter Luft kann es örtlich Glätte durch gefrierenden Regen geben. Im Tagesverlauf wird der Südosten von feuchter Luft geflutet, der Osten bleibt präfrontal noch längere Zeit niederschlagsfrei. Erst am Abend und in der Nacht zum Donnerstag kommt die Okklusion dort an, dann sind die Niederschläge aber schon deutlich abgeklungen. Der Druckgradient im Norden wird wieder geringer und so lässt auch der Wind nach. Am Donnerstag zieht die Okklusion über den Osten und Nordosten langsam ab. Vom Atlantik her nähern sich aber die nächsten Tiefdruckgebiete. Eines davon zieht vor Irland und verlagert sich im Verlauf nordwärts. Ein anderes zieht unter leichter Intensivierung (Kerndruck um 965 hPa) durch den Ärmelkanal nach Benelux und erreicht am Freitagmorgen Westdeutschland. Die vorderseitig herangeführte milde (-1 bis +3 Grad in 850 hPa) und feuchte Luft erreicht den Westen und Südwesten am Donnerstagnachmittag. In der Nacht zum Freitag verteilt sie sich nahezu über das gesamte Bundesgebiet. Allerdings füllt sich das Tief allmählich auf (Kerndruck noch 978 hPa) und die Feuchtezufuhr lässt nach, sodass im Osten und Norden nur wenig bis kein Niederschlag ankommt. Im Westen und Süden hingegen beginnt es am Nachmittag zu regnen. In der Nacht sinkt die Schneefallgrenze auf 1200 m im Süden und 800 m über der Mitte und im Westen. An der Südflanke des Tiefs frischt der Wind zwar etwas auf, allenfalls im höheren Bergland sind steife oder stürmische Böen möglich. Am Freitag füllt sich das Tief immer weiter auf und zieht über den Nordosten Deutschlands ab. Rückseitig strömt wieder kältere Luft (bis -5 Grad in 850 hPa) ein, was die Schneefallgrenze bis auf 600 m drückt. Zunächst lassen die Niederschläge nach, weiten sich aber auch in den Osten und Norden aus. Am Abend wird auf der Vorderseite eines weiteren Tiefs bei den Britischen Inseln aber wieder deutlich feuchtere Luft aus Südwesten zu uns gelenkt. Damit nehmen die Niederschläge bei gleichzeitig leichter Milderung wieder zu. Tiefdruckeinfluss und mäßig feuchte, aber vergleichsweise milde Luft (-2 bis +2 Grad in 850 hPa) bleiben auch am Wochenende wetterbestimmend. Fazit: Die Mittelfrist bringt uns Tiefdruck-Schmuddelwetter mit wiederholten Niederschlägen, die nur in den höheren Berglagen sowie anfangs noch im Osten und Nordosten als Schnee fallen. Es wird zwar etwas milder, nachts herrscht jedoch verbreitet leichter Frost. Räumlich und zeitlich begrenzt droht Glätte durch gefrierenden Regen oder überfrierende Nässe. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Insgesamt ist die Konsistenz der IFS-Modellläufe gut. Es gibt ein paar zeitliche Unterschiede, bedingt durch den früheren Abzug der Cut-Off Zyklone am Montag Richtung Nordosten. Dadurch ist der Weg im aktuellen Lauf früher frei für Tiefdruckgebiete aus Westen, die sich über die gesamte Mittelfrist hinweg ihren Weg nach Deutschland bahnen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Im Vergleich mit anderen Modellen stellt IFS auch keinen Außenseiter dar. Allerdings gibt es nach Wochenmitte keine Einigkeit mehr. IFS simuliert am Donnerstagabend ein Sturmtief über dem Ärmelkanal, GFS einen Trog vom Nordatlantik bis in die Vogesen. UK10 und ICON simulieren ein Höhentief über Deutschland mit Bodentief über Polen beziehungsweise Nordostdeutschland. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Clusteranalyse bietet im ersten Zeitschritt durchweg NAO- und keine signifikanten Abweichungen für uns in den vier Clustern. Auch Zeitschritt zwei (Mittwoch bis Freitag) liefert in allen drei Clustern NAO-. Die Unterschiede beschränken sich am Freitag auf die Amplitude und Breite des Troges, wobei Cluster eins (mit Haupt- und Kontrolllauf) deutlich schmaler und weniger amplifiziert ist als die anderen beiden. Zeitschritt drei liefert abermals drei Cluster mit durchweg NAO-. Hier ergeben sich für Montag signifikante Abweichungen zur Lage und Amplitude des Troges. Die Rauchfahnen ähneln den Börsenkursen: Auf und nieder, immer wieder. Dabei ist der Spread bis nächsten Mittwoch noch annehmbar gering. Anschließend wird er größer, der Kontrolllauf liegt die meiste Zeit aber im Ensemblemittel. Auffällig sind die Niederschlagsensembles, die durchweg Signale geben und zeitweise auch hohe Ausschläge aufweisen. Vielleicht wird das derzeit regional herrschende Defizit etwas ausgeglichen. Die Ensembles der anderen Modelle ergeben ein ähnliches Bild: Der Januar endet feucht und vergleichsweise mild. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Der möglicherweise markante Schneefall im Osten/Nordosten am Montag erzeugt im EFI und SOT leichte Signale. Sonst sind über die Mittelfrist hinweg keine Signale für signifikantes Wetter im EFI zu finden. Räumlich und zeitlich begrenzt kann es aber zu markanter Glätte durch gefrierenden Regen kommen. Und an den Küsten weht zeitweise stürmischer Wind. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-Mix, MOS-IFS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jacqueline Kernn