S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Samstag, den 11.04.2026 um 10.30 UTC Unsicher, unbeständig, Unspektakulär. Bei durchschnittlicher Temperatur abgesehen von einzelnen Gewittern recht ruhiges Wetter. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 18.04.2026 Am Dienstag, zum Beginn des Mittelfristzeitraums, liegt nach IFS ein Langwellentrog über dem Westen Europas, mit einer Achse von Frankreich nach Tunesien. Dieser kommt im Tagesverlauf bis etwa Benelux und Ostfrankreich voran. Weite Teile des Ostens Europas, vom Baltikum bis zum Kaukasus, sind von einem mehrkernigen Höhentief geprägt. Dazwischen befindet sich ein schmaler Höhenrücken, an dessen Westflanke Deutschland in einer schwachen südlichen Strömung liegt. Bodennah sind das Azorenhoch und ein Hoch über Fennoskandien über eine Brücke über Frankreich und die Nordsee hinweg verbunden. Ein kräftiges Sturmtief dreht über dem Nordostatlantik seine Kreise, hat aber auf uns keinen Einfluss. Unser Wetter wird vielmehr von einem kleinräumigen Tief, das von Oberösterreich nach Tschechien zieht, gestaltet. An dessen Westflanke liegt über Deutschland eine Luftmassengrenze, die sehr milde Luft im Osten von deutlich kühlerer Luft im Westen trennt. Auf der kalten Seite kommt es über der Westhälfte Deutschlands zu zeitweisen Regenfällen, die sich später auch auf den Süden ausweiten. Unter dichten Wolken werden kaum 10°C erreicht. Im Osten, wo es trocken bleibt und die Sonne noch etwas scheinen kann, kann es bis zu 20°C mild werden. In der Nacht zum Mittwoch zieht das Tief nach Sachsen und der Regen zieht sich in die Südosthälfte Deutschlands zurück. Am Mittwoch löst sich der Langwellentrog in mehrere Höhentiefs auf, die sich zunehmend nach Süden verlagern. Bei uns sind dann kaum noch Geopotentialgegensätze zu finden. Das Bodentief löst sich auf, über dem Südosten Mitteleuropas bleibt aber noch eine schwache Rinne bestehen. An deren Westrand schwächt sich die Luftmassengrenze ab. Es bleibt aber viel Bewölkung zurück, örtlich fällt noch etwas Regen. Vor allem in Richtung Osten kommt im Tagesverlauf etwas unorganisierte Konvektion auf. Am meisten Sonne dürfte es im Nordwesten geben, der von der Hochdruckbrücke profitiert. Am Donnerstag verlagert sich diese Hochdruckbrücke nach Deutschland. In der Höhe stellt sich allmählich eine schwache westliche Strömung ein, zumal eines der östlichen Höhentiefs Richtung Skandinavien wandert. Bei uns bleibt weiterhin viel Feuchte liegen, das Temperaturniveau gleicht sich auf der Jahreszeit entsprechendem Niveau an. Im Tagesverlauf kann viel Quellbewölkung entstehen und es kann zahlreiche Schauer und Gewitter geben, die sich wieder auf die Südosthälfte fokussieren und lokale Starkregengefahr bringen. Am Freitag schiebt sich von Südwesten ein Höhenkeil zu uns, bodennah bleibt die schwache Hochdruckbrücke bestehen. Dies trägt allenfalls minimal zur Stabilisierung bei. Die Luftmasse bleibt feucht und ist ausreichend instabil, um im Tagesverlauf wieder wenig organisierte Konvektion zuzulassen, die sich weiterhin auf die Südosthälfte fokussiert und lokal Starkregengefahr bringt. Am Samstag bleiben wir weiterhin unter dem Höhenkeil, ein Trog schwenkt zu den Britischen Inseln. Die Hochdruckbrücke schwächt sich ab. Tagsüber sollten die Chancen auf Sonne im Vergleich zum Vortag steigen und die Schauer weniger werden. In der Nacht zum Sonntag erreicht dann eine Kaltfront den Nordwesten des Landes und auf der Vorderseite des heranschwenkenden Troges nimmt die Dynamik zu, so dass vor allem in der Nordwesthälfte die Gewittergefahr zunimmt. In den Folgetagen soll sich der Trog im Bereich der Nordsee einnisten. Die Kaltfront schwenkt am Sonntag mit Regenfällen und Gewittern über unser Land, soll aber im Südosten beginnen zu verwellen, wo dann am Montag recht viel Regen erwartet wird. Bodennah verstärkt sich der Hochdruckeinfluss von Westen her wieder, so dass sich von Nordwesten her wieder ruhigeres Wetter einstellt. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die letzten Läufe des IFS zeigten sich sehr inkonsistent. Der gestrige 00-UTC zeigte den Trog zu Beginn der Mittelfrist schwächer, dann stärker steigendes Geopotential, dann aber wieder stärkeren Einfluss des Troges von Osten über die weiteren Tage. Der gestrige 12-UTC-Lauf lässt am Mittwoch das abgetropfte Höhentief über Deutschland ostwärts ziehen, am Donnerstag soll dann schon der nächste Trog mit einer Kaltfront übergreifen. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die heute vorliegenden deterministischen Modelle unterscheiden sich schon deutlich darin, wie sie mit dem am Dienstag/Mittwoch abtropfenden Trog umgehen. Während IFS das Höhentief sehr rasch nach Süden ziehen lässt, zeigen die anderen Modelle meist Zugbahnen quer über Deutschland und sind etwas langsamer. Vor allem GEM und UK10 lassen das Höhentief gar nicht abziehen, bei diesen Modellen blockiert es dann auch den von Südwesten übergreifenden Höhenrücken, den am Freitag/Samstag alle Modelle im Programm haben. Auch zeigen IFS, GFS und GEM, dass ab der Nacht zum Sonntag wieder ein Trog und eine Kaltfront von Westen übergreifen sollen. So gesehen besteht zum Ende der Mittelfrist eine größere Übereinstimmung zwischen den Modellen als zu Beginn. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Heute blicken wir mal auf die Cluster in der "frühen Mittelfrist" von Dienstag, 00 UTC bis Mittwoch, 00 UTC. In diesem Zeitraum verteilt sich das IFS-EPS auf drei Cluster, die alle dem Regime "Blocking" zugeordnet sind, was auf hohes Geopotential im Nordosten Europas zurückzuführen ist, welches wir hier nicht eingehend besprochen haben, da es keinen direkten Einfluss hat, aber indirekt natürlich die Tiefs auf dem Atlantik auf Distanz hält. Unterschiede zeigen sich insbesondere in Bezug auf den Langwellentrog zu Beginn der Mittelfrist. Am Mittwoch, 00 UTC, zeigt dann C1 (21 Mitglieder, Hauptlauf, Kontrolllauf) noch das abgetropfte Höhentief über dem Westen Deutschlands. Bei den anderen beiden Clustern (zusammen 30 Mitglieder) sind dagegen keine Höhentiefs in unserem Raum zu erkennen. Für den Zeitraum von Donnerstag bis Samstag gilt dann die Devise: "Je unsicherer die Prognose, desto weniger Cluster." Alle Läufe sind dem gleichen Cluster zugeordnet. Letzteres gilt auch für die erweiterte Mittelfrist. Die Rauchfahnen für verschiedene Städte Deutschlands zeigen zu Beginn der Mittelfrist noch einen kleinen Anstieg bei Geopotential und Temperatur, danach soll das Geopotential (bei der Mehrheit der Läufe) und die Temperatur recht konstant bleiben, letztere erhöht sich bis Samstag leicht. Dabei ist die Streuung der Läufe über den gesamten Zeitraum recht konstant auf mittlerem bis hohem Niveau, was die ungewöhnlich großen Unsicherheiten gleich zu Beginn der Mittelfrist widerspiegelt. Die Niederschlagsprognosen sind am Dienstag noch recht hoch, dann sind bis zum Sonntag nur noch geringe Signale vorhanden. Sie sind aber nicht Null, was die Schauerneigung und Unsicherheit widerspiegelt. Die übernächste Woche wartet mit einem Rückgang bei Geopotential und Temperatur auf, sowie wieder mehr Niederschlagssignalen. Die Rauchfahnen des GFS sind sehr ähnlich denen des IFS, zeigen aber in allen Regionen bereits ab Donnerstag wieder einen leichten kontinuierlichen Rückgang beim Geopotential. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen Bezüglich signifikanter Wettererscheinungen dürften Wind, Dauerregen und Schnee in der kommenden Woche keine Rolle spielen. Auch Frost sollte abseits einiger weniger "ungünstiger" Lagen kein großes Thema sein. Etwas Unsicherheit besteht bezüglich Gewittern: So lange die Luftmassengrenze noch besteht, könnte zumindest an deren warmen Rand immer wieder etwas Labilitätsenergie bereit stehen, so dass es insbesondere in der östlichen Hälfte zu einzelnen Gewittern kommen kann. Im weiteren Verlauf der Woche sind auch in anderen Regionen einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen, erscheinen aber nach Osten und Süden zu wahrscheinlicher. Dabei besteht bei nur sehr schwacher Dynamik und geringen Zuggeschwindigkeiten vor allem Gefahr von (sehr) lokalem Starkregen, was vor allem IFS mit kleinräumigen Niederschlagsmaxima andeutet. Vielleicht kann ein trockener Downburst auch mal eine stürmische Bö produzieren. Hagel sollte mangels Scherung und nennenswertem CAPE kein Thema sein. In der Nacht zum Sonntag kommt dann auf der Trogvorderseite und auf der warmen Seite der Kaltfront deutlich mehr Dynamik ins Spiel, allerdings zur ungünstigen Tageszeit. Dennoch kann man aus aktueller Sicht weder Starkregen, Hagel noch Sturmböen ausschließen. Vom EFI gibt's keine erwähnenswerten Signale. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage MOS-MIX, IFS-EPS ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Peter Hartmann