S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T ausgegeben am Freitag, den 06.02.2026 um 10.30 UTC Im Süden, in der Mitte und im Westen zunehmend mild und regnerisch, im Norden und Nordosten kühler mit Schnee und gefrierendem Regen. __________________________________________________________ Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 13.02.2026 Zu Beginn der Mittelfrist am kommenden Montag wird Deutschland von einem Hoch beeinflusst, dessen Schwerpunkt sich über Belarus befindet, mit einem Ableger aber bis nach Skandinavien reicht. Ein Tief befindet sich über dem zentralen Mittelmeerraum, sodass sich Deutschland zwischen diesen beiden Druckgebilden in einer östlichen Anströmung befindet. Über dem Nordatlantik ist ein umfangreiches Tiefdruckgebiet zu finden, welches aber zunächst noch keinen Einfluss auf das Wetter in Mitteleuropa hat. An dessen Vorderseite bildet sich allerdings ein Randtief, welches bis zur Nacht zum Dienstag die Bretagne erreicht. In Deutschland dominiert ruhiges, aber Hochnebel-lastiges Hochdruckwetter. Anfangs kann ein alternder Tiefausläufer im Osten noch etwas Schnee, Schneegriesel oder gefrierenden Sprühregen bringen. Am Abend und in der Nacht zum Dienstag erreicht uns dann die Warmfront des angesprochenen Randtiefs mit Niederschlägen, die auf den Südwesten und Süden übergreifen. Das Südwest-Nordost-Temperaturgefälle bleibt uns weiterhin erhalten. Nach einer kurzen Pause rutscht der Nordosten wieder in den leichten Dauerfrost, während es im Westen und Südwesten deutlich milder und sogar in der Nacht zum Dienstag teils frostfrei bleiben soll. Am Dienstag zieht das Hoch über die Ukraine weiter ostwärts ab. Das Randtief schwächt sich wieder ab, bringt aber dem Süden noch etwas Regen, Schnee und gefrierenden Sprühregen. Das Haupttief über dem Atlantik kommt im Tagesverlauf ostwärts voran. Am Abend und in der Nacht zum Mittwoch greift dessen Warmfront auf die Südwesthälfte über. Sie ist deutlich kräftiger als die Warmfront der vorherigen Nacht. Das äußert sich zum einen an den Temperaturen, sodass die Südwesthälfte auch in der Nacht zum Mittwoch (zum Teil deutlich) im Plusbereich liegt. Zum anderen sind die Niederschläge recht kräftig und fallen zumeist als Regen. Im Übergangsbereich zur kälteren Luftmasse im Nordosten ist aber wieder mit gefrierendem Regen zu rechnen, wobei die Intensität und Verbreitung aktuell noch unsicher ist. Am Mittwoch gelangt ganz Deutschland in den Einflussbereich des Tiefs, das nach Großbritannien zieht und zunehmend eine Dipolstruktur entwickelt, wobei sich der zweite Tiefdruckkern in der Nacht zum Donnerstag je nach Modell über Frankreich oder Deutschland befindet. So oder so gelangen wir also in eine Westströmung, mit der die kontinentale Kaltluft ausgeräumt wird. Wie schnell dies im Nordosten vonstattengeht, sind sich die Modelle aber noch nicht einig. Einig sind sich die Modelle aber, dass es landesweit Niederschläge gibt, die zumeist als Regen fallen. Gerade im Norden und Nordosten könnte sich die Kaltluft noch zäh halten, sodass dort auch Schnee oder gefrierender Regen ein Thema bleiben. Die Temperaturkontraste nehmen sogar noch etwas zu, was v.a. an den ansteigenden Temperaturen im Westen und Südwesten liegt, wo in den Niederungen die 10-Grad-Marke teils deutlich überschritten wird. Im Nordosten verharren die Temperaturen hingegen weiterhin um Null oder zumindest im niedrigen einstelligen Bereich. Am Donnerstag ändert sich nicht allzu viel. Deutschland befindet sich unter Tiefdruckeinfluss, wobei sich eine Art Tiefdruckrinne bildet, die sich von Großbritannien bis nach Polen erstreckt und mehrere Tiefdruckkerne besitzt. Die Lage und die Intensität der Rinne und der darin befindlichen Tiefs wird von den Modellen noch unterschiedlich simuliert (s. Modellvergleich). Das hat vor allem Auswirkungen auf den Norden und Nordosten. Dort ist noch nicht klar, ob die Kaltluft ausgeräumt wird (ICON) oder ob die Kaltluft dort verbleibt (IFS). Demnach sind dort beim Niederschlag noch alle Phasen denkbar und auch bei den Temperaturen gibt es noch Unsicherheiten. Die Mitte und der Süden dürften aber auf der warmen Seite liegen, sodass dort bei milden Temperaturen der Niederschlag als Regen fallen dürfte. Am Freitag liegt über Nordeuropa weiterhin Kaltluft, während sich südlich anschließend eine ganze Kette an Tiefs befinden, die sich quer über den Nordatlantik und Mitteleuropa bis nach Osteuropa erstrecken. Demnach bleibt uns der unbeständige Wettercharakter erhalten. Im Süden ist es mild, im Norden tendenziell kälter, wobei die Unsicherheiten weiter zunehmen. __________________________________________________________ Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs Die Konsistenz der letzten IFS-Läufe kann im Wesentlichen als gut eingestuft werden. Das abziehende Hoch wird von allen Läufen simuliert, ebenso wie der Übergang zum von atlantischen Tiefs geprägtem Wetter. Selbst kommenden Donnerstag sehen die Ergebnisse eigentlich noch recht ähnlich aus. Der Teufel steckt aber im Detail. Die genaue Position der Tiefs wird noch leicht unterschiedlich simuliert. Da die Achse der Tiefdruckrinne aber irgendwo über der Mitte/Norden Deutschlands liegt, ist noch unklar, ob die Kaltluft im Norden ausgeräumt wird oder nicht. Hier haben wenige Hundert Kilometer einen entscheidenden Einfluss. Derartige Details sind eine Woche im Voraus noch nicht vorhersagbar, sodass es v.a. im Norden/Nordosten noch größere Unsicherheiten sowohl bei den Temperaturen als auch bei der Niederschlagsphase gibt. __________________________________________________________ Vergleich mit anderen globalen Modellen Die anderen gängigen Globalmodelle liefern keine grundlegend neuen Erkenntnisse. Die generelle Umstellung der Großwetterlage und die Strömungsmuster werden von allen Modellen recht konsistent simuliert. Die Hauptunsicherheit besteht darin, wie weit die milde Atlantikluft aus Südwesten in den Norden und Nordosten vordringen kann respektive ob dort die Kaltluft ausgeräumt werden kann oder nicht. ICON und GFS lassen die milde Luft weiter nach Norden vorankommen als IFS, da sie die Tiefdruckgebiete etwas nördlicher simulieren. Demnach bestehen für den Norden/Nordosten noch die größten Unsicherheiten. Generell bleibt das Südwest-Nordost-Gefälle bei den Temperaturen erhalten. FAZIT: Der Übergang vom Hochdruck-geprägten Wetter hin zu einer unbeständigen Westlage mit verbreiteten und wiederholten Niederschlägen scheint in trockenen (oder eher nassen?) Tüchern zu sein. Das Südwest-Nordost-Gefälle bei den Temperaturen bleibt uns erhalten oder verstärkt sich sogar noch etwas. Größere Unsicherheiten gibt es vor allem im Norden/Nordosten. Je nach Zugbahn der Tiefs, die in einer Art Tiefdruckrinne über Deutschland hinwegziehen, wird die Kaltluft auch dort ausgeräumt oder eben nicht, falls die Tiefdruckrinne ab Mitte der kommenden Woche weiter südlich liegt. Somit könnte der Norden auch weiterhin in der Kaltluft verbleiben. Demnach ist noch unsicher, in welcher Phase dort der Niederschlag fällt, während in der Mitte und im Süden Regen dominieren sollte. __________________________________________________________ Bewertung der Ensemblevorhersagen Die Ensembles stützen die beschriebenen Wetterentwicklungen. Der Rückgang des Geopotentials ab Montag wird eindeutig in der Kurvenschar gezeigt, ebenso wie die zunehmenden Niederschlagssignale, vor allem im Süden und in der Mitte. Der Norden und Nordosten bekommt etwas weniger Niederschlag ab. Interessant ist auch, dass bei den 850hPa-Temperaturen die Kurvenschar im Süden und in der Mitte recht eng gebündelt ist und erst in der erweiterten Mittelfrist deutlich auffächert. Sieht man sich hingegen die Plumes für den Nordosten an, so fächern diese bereits ab Dienstag stark auf. Dies verdeutlicht eindrucksvoll die Unsicherheit bei der Geschwindigkeit und Effizienz der Ausräumung der Kaltluft. Da es in der erweiterten Mittelfrist landesweit tendenziell eher wieder kälter wird, ist durchaus denkbar, dass die Kaltluft dort überhaupt nicht ausgeräumt wird. Bei den Clusteranalysen wird im Zeitraum t_120h-168h nur ein einziges Cluster gezeigt, dass dem Regime einer negativen NAO zugeordnet wird. In der erweiterten Mittelfrist (t_192h-240h) werden zwar nun fünf Cluster angeboten, wobei sich an der Dominanz der negativen NAO nichts ändert. Interessanterweise liegen Haupt- und Kontrolllauf im Cluster 5, wobei Cluster 3 bis 5 aus je 8, Cluster 2 aus 11 und Cluster 1 aus 16 Members bestehen. _________________________________________________________ Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen GLATTEIS/SCHNEE: Für die Nordosthälfte und insbesondere den Norden und Nordosten bleibt eine latente Glatteisgefahr bestehen. Die Kaltluft ist bekanntlich zäh, während aus Südwesten Niederschlagsgebiete auch auf den Norden und Nordosten übergreifen. Bei dieser Konstellation dürfte gefrierender Regen und Glatteis weiterhin ein Thema sein. Unklar ist aber noch, wo und wie verbreitet dieser auftritt und ob er unwetterartig oder nur markant ausfällt. Im äußersten Norden und Nordosten könnte auch die Schneephase dominieren, sodass auch markante Schneemengen ab der Wochenmitte nicht ausgeschlossen sind. DAUERREGEN: Ab der Nacht zum Mittwoch könnten v.a. im Schwarzwald in den berüchtigten Staulagen Warnschwellen vor markantem Dauerregen gerissen werden. WIND: Vor allem im Süden und Südwesten kommt es am Mittwoch möglicherweise gebietsweise zu stürmischen Böen bis ins Flachland, in höheren Lagen sind diese oder gar Sturmböen wahrscheinlich. ________________________________________________________ Basis für Mittelfristvorhersage ICON, IFS, MOSMIX ________________________________________________________ VBZ Offenbach / Dr. rer. nat. Markus Übel