SXEU31 DWAV 090800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 09.01.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: Teils unwetterartige Schneeverwehungen über dem Norden, bis in den Samstag anhaltend. Im exponierten Bergland im Südwesten Orkanböen, in höheren Lagen des Südwestens und Südens Sturmböen. Im erweiterten Küstenumfeld Sturmböen und schwere Sturmböen. Wind bis in den Samstag hinein deutlich nachlassend, dann nur noch in den Hochlagen des Südens Sturmböen. Am Samstag im Schwarzwald und im Allgäu markante bis unwetterartige Schneefälle (Unwetter: Schwarzwald). Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Freitag... ist die Wetterlage in großen Teilen Deutschlands recht turbulent, so dass sich diese Übersicht am Ende auch wie ein synoptisch angehauchter Warnlagebericht lesen könnte. Dabei ist Sturmtief ELLI inzwischen (06 UTC) an der belgische Nordseeküste aufgeschlagen. Sein Kerndruck liegt bei ca. 969 hPa, das Sturmtief hat seinen Zenit überschritten und beginnt bzw. hat schon begonnen sich aufzufüllen. Dies liegt auch daran, dass aus der Höhe keine Entwicklungsimpulse mehr geliefert werden, hat doch das Höhentief das Bodentief inzwischen eingeholt und liegt weitgehend lotrecht über selbigem. Das angesprochene Höhentief ist eingebettet in eine Zone tiefen Geopotentials über dem Nordatlantik und Skandinavien, es bildet den Kern eines langwelligen Troganteils, dessen Achse aktuell über Frankreich nach Süden verläuft, die in einer insgesamt gleichmäßig zyklonal gekrümmten Höhenströmung aber nur schwach ausgeprägt ist. Bis zum Abend soll sich das angesprochene Höhentief von einem mehrkernigen Höhentiefkomplex über dem Nordatlantik trennen und mit dem Bodentief zögerlich nach Westen ziehen. Die Einschätzung für den Abend lautet z. B. bei IFS und ICON, dass sowohl das Höhentief als auch das Bodentief etwa am Niederrhein ankommen sollen, dabei deutet ICON eine Lage etwas westlich des Rheins an, IFS dagegen eine Lang etwas östlich des Rheins. Wie auch immer, klar ist, dass sich der Warmsektor des Tiefs schließt, nur in einem Dreieck Hochrhein - Oberfranken - Niederbayern liegen die 850er Temperaturen aktuell noch im leicht positiven Bereich, ansonsten herrschen zumeist leicht negative 850er Werte vor (null bis -1 Grad), im Nordosten ist die Kaltluft noch nicht verdrängt worden, dort liegen die entsprechenden Werte noch um -8 Grad. Tatsächlich wird sich daran auch im Tagesverlauf nichts ändern, vielmehr kann die Kaltluft allmählich wieder Boden gutmachen, zum Abend soll die -8 Grad-Isotherme von Schleswig-Holstein bis zur Weichselmündung und nordöstlich davon überdecken. Die 850er Temperaturen deuten schon an, dass die Warmfront aktuell über dem Osten Bayerns zu finden ist, von dort erstreckt sie sich weiter nach Nordwesten bis nach Niedersachsen. Dort gehen die Schneefälle allmählich in Regen über, mit beträchtlicher Glatteisgefahr auf den noch gefrorenen Böden vor allem im Südosten. Entsprechend laufen dort markante Warnungen und Unwetterwarnungen vor Glatteis. Die Glatteisgebiete verlagern sich mit der Front nach Osten, am Vormittag sollen vor allem die Hochlagen Ostbayerns betroffen sein, die kritischen Gebiete ziehen sich dann aber auch bis nach Nordbayern und Thüringen. Um die Mittagszeit ziehen die Niederschläge aus Bayern ostwärts ab, so dass sich dann dort die Situation entspannen sollte, zu dem Zeitpunkt betrifft die Glatteissituation, bei ebenfalls nachlassender Ausprägung, Mitteldeutschland. In einem breiten Streifen von Ostsachsen bis ins Emsland fällt durchweg Schnee. Dort kann sich die Milderung nicht durchsetzen. Insgesamt greifen die Schneefälle nicht so weit nach Nordosten aus, wie es die Modelle noch in den Vorläufen angedeutet haben. Hamburg wird wohl sicher etwas Schnee abbekommen (nach ICON z. B. könnten im Tagesverlauf um 3 cm fallen, IFS oder GFS halten noch eine Schneeschippe mehr an Schnee für möglich) In Berlin sehen die Modelle nach aktuellem Stand eher nur nach geringe Schneemengen als wahrscheinlich an, 1 bis 2 cm scheinen eine gute Schätzung zu sein, AROME oder UK10 sehen in Berlin heute sogar gar keinen Neuschnee mehr. Südwestlich der Linie Hamburg - Berlin fallen durchaus 5 bis 10 cm Neuschnee, lokal auch bis zu 15 cm, im Südstau des Harzes können auch um 20 cm zusammenkommen. In einem Streifen von Ostbayern bis nach Ostwestfalen lassen die Schneefälle im Tagesverlauf nach, dort sind die Mengen auch etwas geringer. Erschwerend kommt hinzu, dass der Schnee im Norden und Osten verwehen kann. Das Sturmtief ELLI bildet nämlich das westliche Ende einer Tiefdruckrinne, die sich über Polen hinweg bis nach Belarus erstreckt. Im Bereich dieser Rinne, also etwa vom Rheinland bis nach Sachsen und Ostbayern, ist der Wind schwach bis mäßig, allenfalls in den Hochlagen auch mal stark böig. Nördlich und nordöstlich der Rinne (Ostwind) sowie südwestlich davon (Südwestwind) weht der Wind dagegen sehr kräftig. In weiten Teilen des Nordens gibt es steife Böen Bft 7, im erweiterten Nordseeumfeld auch Böen Bft 8 bis 9, unmittelbar an der Nordsee auch Böen Bft 10. Von der Eifel bis an die Alpen gibt es Böen Bft 7 bis 9, Die Schwarzwaldhöhen bringen es bis auf volle Orkanstärke (Bft 12). Dort sind Verwehungen kein Thema, im Norden und Osten dagegen schon, zumal im Norden gebietsweise auch schon recht viel (trockener) Schnee liegt. Die entsprechenden Verwehungswarnungen gehen bis in den Unwetterbereich. Da auf der Westflanke des Tiefs durch herumgeholte Kaltluft die Schneefallgrenze wieder sinkt, gehen dort bis zum Abend in höheren und mittleren Lagen die Niederschläge wieder in Schnee über (Schneefallgrenze sinkt teils auf bis zu 300 m). Damit setzt dort erneut Schneefall ein, der sich in Staulagen der Eifel durchaus auf 5 bis 10 cm akkumulieren kann. Auch im Rothaargebirge und im Westenwald gibt es (etwas) Neuschnee). Das gilt auch an den Alpen, wo Reste der ostwärts abziehenden Front ins schleifen geraten. In dieser Gemengelage bildet sich ein bemerkenswerter Temperaturgradient aus (bzw. hat sich ausgebildet). Die Maxima sollen im Nordosten um -6 Grad liegen, am Oberrhein liegen die höchsten Werte dagegen bei bis zu 10 Grad - allerdings zu Tagesbeginn, im Tagesverlauf sinken sie nicht der erneut wirksam werdenden kühleren Luft wieder ab. In der Nacht zum Samstag laufen die Modelle schon wieder etwas auseinander. Während das Tief bei IFS nach Südosten zur Kölner Bucht wandert, verlagert es sich nach ICON Richtung Osthessen. Insgesamt macht die Kaltluft damit wieder mächtig Boden gut, zum Morgen liegen die 850er Temperaturen im Südosten wieder um -5 Grad, im Nordosten sind es um -12 Grad. Damit gehen auch über dem Süden die Niederschläge wieder in Schnee über. In den Staulagen der westlichen Mittelgebirge kommen dabei 5 bis 10, lokal in der Eifel auch um 15 cm Neuschnee zusammen. Diese Mengen kann man auch für den Schwarzwald avisieren, wobei dort das Hauptniederschlagsereignis erst im Laufe des Samstags zu erwarten ist. Wahrscheinlich bleiben die tief eingeschnittenen Flusstäler (z. B. Rheingraben, Mosel) schneefrei, ansonsten gibt es zumindest ein bisschen Schnee. Von Sachsen bis nach Niedersachsen lassen die Schneefälle allmählich nach, von der Oder bis zur Nordsee bleibt es trocken. Die Windverteilung mit einem relativ windschwachen Streifen über der Mitte und kräftigem Wind über dem Norden und Südwesten bleibt erhalten. Da sich das Tief aber zunehmend auffällt schwächt sich der Wind etwas ab. Ausgangs der Nacht sind über dem Norden nur noch die Küstengebiete von steifen oder stürmischen Böen Bft 7 bis 8 betroffen, die Verwehungen lassen nach, auch wenn dafür auch schon die Bft 6 ausreicht. Eventuell ziehen an den Küsten, die relativ milde See labilisiert dort, auch mal kurze Schneeschauer durch. Im Südwesten und Süden bleibt es dagegen die Nacht durch verbreitet bei Böen Bft 7 bis 8, in den Hochlagen geht noch etwas mehr, auf dem Feldberg soll es für orkanartige Böen Bft 11 reichen. Das reicht aber auch für weitere Verwehungen im markanten, eventuell auch bis in den Unwetterbereich. Im Süden bleibt es bei +3 bis -2 Grad gebietsweise frostfrei, im Norden sinken die Werte auf -3 bis -8 Grad, an der Oder auf nahe -10 Grad. Samstag... wandert der westliche Teil der Tiefdruckrinne, in der das Tief ELLI zum Abend schon nicht mehr auszumachen ist (Druckminima um 997 hPa), in Richtung Alpen. Der zugehörige Höhentrog schwenkt über die Alpen hinweg und seine Achse liegt in der Nacht von Belarus über die Alpen hinweg nach Sizilien orientiert. Mit dem Druckanstieg entspannt sich die Windsituation weiter. An der Küste lässt der Wind weiter nach, bei Drehung auf Nordost fächert der Gradient an der Nordsee so stark auf, dass dort zum Abend keine warnwürdigen Böen mehr erwartet werden - aber hier und da noch Schneeschauer, die durch den Lake-Effekt auch mal kräftiger ausfallen können. An der Ostsee bleibt der Wind, durch das über Belarus liegende Tief am Ostende der Tiefdruckrinne, immerhin nahe an den Warnschwellen. Eventuell ist auch abends noch eine einzelne auflandige Bft 7 unterwegs, das lässt sich nicht ganz ausschließen. Ansonsten sind vor allem die Hochlagen (Mitte, Süden) noch vom Wind betroffen, Bft 7 bis 8, eventuell exponiert auch eine Bft 9, das wäre das Abendspektrum, wobei der Feldberg noch immer mit einer Bft 11 in den Tag starten soll. Mit der Rinne wandern auch die zumeist leichten Schneefälle nach Süden, sie starten über der Mitte und dem Süden, zum Abend soll es dann nur noch südlich des Mains Schnee geben. Da auf der Südflanke der Rinne eine westliche Windkomponente vorherrscht, deren Unterstützung aus der Höhe im Tagesverlauf nur zögerlich schwächer wird, staut es vor allem an den Nord-Süd-exponierten Gebirgen (Schwarzwald, aber auch im Allgäu) rein - mit entsprechend deutlich höheren Schneemengen als in der Fläche. ICON deutet für den Schwarzwald im Tagesverlauf durchaus 20 bis 30 cm Neuschnee an, für das Allgäu dagegen eher "nur" 10 bis 20, eventuell und lokal auch bis 30 cm. In Verbindung mit dem angesprochenen Wind kann das wieder zu Verwehungen führen, die u. U. lokal auch Unwettercharakter annehmen können. Auf der Nordflanke der Rinne wird in 850 hPa wieder deutlich kältere Luft nach Norddeutschland transportiert, bis zum Abend sinken die Werte nordöstlich einer Linie Emsland - Erzgebirge auf -10 Grad, im Westen sind es in der Spitze noch -7 Grad. In 2m Höhe liegen die Höchstwerte in der Südhälfte mit 1 bis 5 Grad im positiven Bereich. Interessant dabei, dass im Westen die Höchstwerte schon morgen und am Vormittag erreicht werden, im Süden dann um die Mittagszeit, ein Umstand, der natürlich auf die Kaltluftadvektion zurückzuführen ist. Im Norden ist es, abgesehen von den Küsten, dauerfrostig mit Höchstwerten zwischen -7 bis null Grad, wobei die tiefsten Werte zwischen Neiße und Magdeburger Börde auftreten. In der Nacht zum Sonntag wandert die Tiefdruckrinne über die Alpen hinweg nach Süden, damit lassen auch über dem Süden die Schneefälle nach, bis zum Morgen haben sie sich an die Alpen zurückgezogen und sollten über 12 Stunden im Allgäu 20 bis 30 cm, am übrigen Alpenrand 10 bis 20 cm Neuschnee (jeweils in der Spitze) gebracht haben. Dazu gibt es noch leichten Schneefall am Erzgebirge, wo es im Bereich eines Bodentroges zusammen mit den Staueffekten zu etwas Hebung kommt. Im Geopotentialfeld greift auf Westeuropa ein Höhenrücken über, von dem sich ein separater Keil bis nach Südskandinavien wölbt. Dort wird eine abgeschlossene Hochdruckzone gestützt, die Teil einer Brücke ist, welche sich von Lappland über Südnorwegen und die Nordsee bis zur Iberischen Halbinsel zieht, und im Verlauf der zweiten Nachhälfte ein abgeschlossenes Hoch über dem Westen Deutschlands ausbildet. Unter Hochdruckeinfluss klart es verbreitet auf, die Tiefstwerte liegen entsprechend tief - im Nordosten bei lebhaftem, aber nicht warnwürdigem Wind und entsprechender Durchmischung sowie im Süden unter Wolken meist zwischen -6 und -9 Grad. Sonst gibs es -9 bis -15 Grad, lokal auch noch Werte darunter, und damit recht verbreitet strengen Frost. Sonntag... und in der Nacht zum Montag bietet das Wetter einen Tag zum Durchschnaufen. Hochdruckeinfluss bietet gute Chancen auf Sonne, es ist weit überwiegend trocken, nur an den Alpen fallen ein paar Flocken. Erst in der Nacht zum Montag zieht in den Westen neuer Niederschlag, wobei wieder Glatteis eine Rolle spielen wird. Bei Höchstwerten von -6 bis null Grad ist Dauerfrost angesagt. In der Nacht werden für den Westen, wo die Gegenstrahlung der hereinziehenden Wolken die Auskühlung dämpft, von MOSMIX Tiefstwerte zwischen -5 und -9 Grad avisiert, sonst erwartet das Modell strengen Frost bis -15 Grad, lokal auch darunter. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Modelle bieten im Grundsatz eine gute Übereinstimmung. Die Unterschiede, die teils (Verlagerung des Tiefs, Ausgreifen der Schneefallgebiete) im Text angesprochen wurden, liegen nunmehr im handelsüblichen Rahmen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Martin Jonas