SXEU31 DWAV 101800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 10.01.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Im Süden gebietsweise noch Schneefall, allmählich Richtung Alpen zurückziehend und damit Ende der Unwetterlage im Schwarzwald. Am Sonntag Zwischenhocheinfluss. Ab der Nacht zum Montag aufkommende Glatteislage, Unwetter wahrscheinlich. Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... liegt Deutschland rückseitig eines umfangreichen Höhentroges, der vom Osten Europas bis in den zentralen Mittelmeerraum reicht. Korrespondierend dazu befindet sich im Bodendruckfeld eine umfangreiche Tiefdruckzone über dem Osten und Süden/Südosten Europas, die mehrere Kerne aufweist. Einer davon ist unser ehemaliges Sturm-/Schneetief ELLI. Es hat sich mittlerweile deutlich abgeschwächt und befindet sich aktuell mit seinem Kern etwa über Unterfranken. Von dort wird es in den nächsten Stunden unter weiterer Abschwächung in Richtung Niederösterreich ziehen, wobei es sich auf dem Weg dorthin zusehends auflöst und am Ende nur noch ein in Richtung Süd- und Südwestdeutschland gerichteter Bodentrog übrigbleiben wird. Die mit dem Tief bzw. dem Bodentrog in Verbindung stehenden Schneefälle betreffen aktuell noch Gebiete im Süden und ziehen sich am Abend bzw. in der Nacht zum Sonntag zunehmend Richtung Alpen zurück. Dabei sind die Intensitäten meist schwach, sodass in den nächsten Stunden meist nur 1 bis 5 cm fallen, in den Staulagen des Schwarzwaldes auch mehr. Dort läuft die Unwetterwarnung noch bis Mitternacht, nachfolgend lassen die Intensitäten deutlich nach. An den Alpen, wo die Schneefälle erst im Laufe des Sonntagvormittags zum Erliegen kommen, kommen insgesamt (seit gestern) 5 bis 10 cm, in Staulagen bis 15 cm Neuschnee zusammen. Im Allgäu, wo es ebenfalls zu Stauniederschlägen kommt, sind bis Sonntagvormittag über den bewarnten Zeitraum 20 bis 30, in höheren Staulagen bis 50 cm Neuschnee zu erwarten. Die Polarluft, die heute bereits im Norden und Osten wetterwirksam war, wird rückseitig des Tiefs wieder nach Süden und Westen vorankommen. Sie gelangt mit dem allmählichen Abziehen des Troges von Westen unter den Einfluss eines Zwischenhochs (BRONCO II), das sich gestützt durch einen Höhenrücken, vom Südwesten Europas in Richtung Mitteleuropa voranschiebt und eine Verbindung zu einem weiteren Hoch (BRONCO I) über Skandinavien aufnimmt. Durch das einsetzende Absinken lockert auch die Bewölkung vielerorts auf, sodass die Nacht oft klar verläuft. In der Kaltluft gibt es verbreitet Tiefstwerte zwischen minus 4 und minus 9 Grad, vom Nordwesten bis in den Südosten auch häufig strengen Frost bis minus 16 Grad. Etwas milder bleibt es nur entlang des Oberrheins und unmittelbar an der See. Im Osten könnte ein kurzwelliger Troganteil nochmal für einzelne Schneeschauer sorgen, die aber meist keine nennenswerten Neuschneemengen bringen, einzig am Erzgebirge sind staubedingt wenige Zentimeter möglich. Der Wind lässt weiter nach, vor allem an der Ostsee und dort von Rügen bis Usedom sind gradientbedingt weiterhin Böen Bft 7 bis 8 um Nord zu erwarten. Auch auf Alpengipfeln weht der Wind noch teils stürmisch (Bft 8 bis 9). Sonntag ... zieht der Höhentrog ostwärts ab und wir gelangen von Westen in den Einflussbereich des Höhenrückens. Im Bodendruckfeld verlagert sich der Schwerpunkt des Hochs BRONCO II in Richtung Süddeutschland. An den Alpen fallen noch letzte Schneeflocken. Und so erwartet uns ein ruhiger und in einigen Landesteilen auch sonniger Wintertag. Etwas zähe Bewölkung kann sich aus der Nacht heraus vor allem gebietsweise im Norden und Südosten, aber auch im Südwesten des Landes halten. Im Laufe des Nachmittags ziehen in der Westhälfte ohnehin hohe und mittelhohe Wolkenfelder auf. Sie sind die Vorboten der Warmfront eines Tiefs mit Kern nordwestlich von Irland (GUNDA). Sie erreicht bis zum Abend etwa eine Linie östlicher Ärmelkanal-Paris, sodass Niederschläge noch nicht übergreifen. Die Temperatur bleibt tagsüber häufig im Frostbereich, Höchstwerte knapp über Null Grad gibt es nur gebietsweise im Südwesten, sowie lokal im äußersten Westen und an den Küsten. Der Wind an der Ostsee lässt im Tagesverlauf wieder nach. Dafür frischt er über der Nordsee mit Annäherung des Sturmtiefs bei den Britischen Inseln auf. Im Küstenbereich und auf den Inseln sind aber noch keine warnwürdigen Böen zu erwarten. In der Nacht zum Montag verlagert sich das Sturmtief in Richtung der Färöer-Inseln. Das teilokkludierte Frontensystem greift mit ersten Niederschlägen vor allem in der zweiten Nachthälfte auf die Westhälfte Deutschlands über und sie erreichen etwa eine Linie Hamburg-Westthüringen-Allgäu. Diese fallen zunächst als Schnee mit wenigen Zentimetern Neuschnee, gehen aber bei kräftiger WLA von Westen rasch in Regen über. Aufgrund der bodennahen Frostluft muss dann verbreitet mit am Boden gefrierendem Regen und somit Glatteis gerechnet werden. Somit besteht dort Unwettergefahr! Weiter östlich/südöstlich hält sich zunächst noch schwacher Hochdruckeinfluss. Die Bewölkung nimmt zwar im Laufe der Nacht von Westen zu, es bleibt aber noch trocken. Durch die anfangs noch klare Nacht gibt es von Schleswig-Holstein bis in den Osten und Südosten Deutschlands nochmals verbreitet strengen Frost bis minus 15 Grad. Sonst gibt es mäßigen, im äußersten Westen und Südwesten nur leichten Frost. Der Wind frischt im Westen und Nordwesten weiter auf. Auf einigen Nordseeinseln sowie im westlichen Bergland gibt es erste Böen Bft 7 bis 8 um Süd, auf dem Brocken auch Sturmböen Bft 9. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... hat sich zu der Beschreibung aus der Frühübersicht nichts Grundlegendes geändert. Die Modelle zeigen übereinstimmend, dass die Niederschläge auch den Osten und Südosten erreichen. Während die Niederschläge Richtung Norden und Osten im Bereich der Okklusion etwas schwächer ausfallen sollen, sind diese im Bereich der Warmfront über dem Südosten, bzw. der leicht wellenden nachfolgenden Kaltfront über der Mitte etwas kräftiger. Im Westen, Nordwesten und Südwesten sollte sich die Glättesituation bereits im Laufe des Vormittags entspannen. Im Bereich der zentralen Mittelgebirge und auch am Ostrand des Niederschlagsgebietes wird es aber bis in die Nacht zum Dienstag oder gar bis Dienstagmorgen dauern, bis die Kaltluft ausgeräumt ist. Am kritischsten dürfte wieder der Osten und Südosten Bayerns werden, wo die östliche Windkomponente noch längere Zeit anhält und somit auch am Dienstag weiterhin Unwettergefahr oder zumindest bei nachlassender Niederschlagsintensität markante Glättegefahr besteht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Modelle zeigen die Wetterentwicklung sehr ähnlich. Auch der zeitliche Ablauf am Montag stimmt weitgehend überein. Unterschiede gibt es noch bezüglich der Niederschlagsintensität vor allem in Richtung Osten Deutschlands. IFS zeigt dort höhere Mengen als die anderen Modelle. Insofern ist die Ausprägung der Glatteislage dort noch unsicher. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Johanna Anger