SXEU31 DWAV 021800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 02.05.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Letzter Heidenheim mit Fast-Sensation in Fröttmaning - und beim Wetter? Verbreitet (hoch)sommerlich und Opening der konvektiven Saison Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... Viel fehlte nicht und die Heidenheimer Jungs von Kulttrainer Frank Schmidt hätten heute als Tabellenletzter bei den hochgepreisten Bayern in München gewonnen. Eigentlich wäre es ja mal Zeit gewesen, die Jungs von Hannover 96 abzulösen, die das vor knapp 20 Jahren (8. November 2006) mit einem 1:0 zum letzten Mal geschafft haben. Nun gut, es sollte nicht sein und somit können wir und dem eigentlichen Thema dieses Bulletins widmen, dem Wetter. Da befinden wir uns aktuell auf der Zielgeraden des ersten richtigen Sommertags im Jahr 2026. Zwar wurden schon Anfang April in Regensburg knapp über 25°C gemessen und auch am gestrigen Maifeiertag haben eine Handvoll Stationen im Westen und Südwesten das erforderliche Kriterium knapp erfüllt. In der Fläche allerdings ist der heutige Samstag der erste Tag mit verbreitet 25+x°C. Verwunderlich ist das nicht, schien und scheint doch von wenigen Ausnahmen abgesehen einmal mehr die Sonne. Doch nicht nur das, auch die Wetterlage oder besser die Änderung der Wetterlage spielen der Erwärmung in die Karten. So wandert das bis dato wetterbestimmende Hoch WINFRIED langsam nach Osten ab, was uns unweigerlich auf seine warme Westflanke bringt. Dort wird von Südwesten her zunehmend warme, in Teilen (zunächst im Westen/Nordwesten) aber auch feuchtere Luft südwesteuropäischer Herkunft in den Vorhersageraum advehiert (T850 heute Abend zwischen 9°C im nordwestlichen NDS und bis zu 14°C am Alpenrand sowie an der Grenze zur Schweiz), die leichter zu erwärmen ist als die nachtkühle, kontinental geprägte Polarluft der vergangenen Tage. Zweiter Aspekt neben der Erwärmung ist die damit einhergehende erhöhte Wahrscheinlichkeit für konvektive Umlagerungen. Und tatsächlich hat es am frühen Nachmittag im Westen ausgehend von der Eifel angefangen zu zünden. Zwar ist es fast symptomatisch, dass der Erstschlag von einem Mittelgebirge ausging. Gleichwohl muss man konstatieren, dass auch das Druck- und Potenzialmuster seinen Beitrag leistet. Dass das Hoch weicht, wurde schon erwähnt. Den freiwerdenden Platz nimmt eine Tiefruckrinne mit eingelagerter Kaltfront ein (ZUHAL), die aktuell zwar noch etwas westlich von uns liegt, in naher Zukunft aber bis zu uns ausdehnen wird. Und auch in der Höhe wird das Setup ganz allmählich zyklonaler, insbesondere am westlichen Rand der Republik, der auf die Rückseite des in großen Teilen noch immer wetterbestimmenden, nun aber langsam südostwärts abkippenden Höhenrückens gelangt. Wo eine Rück-, da auch eine Vorderseite und richtig, der dazu erforderliche Trog befindet sich über dem nahen Atlantik respektive UK/Irland, von wo aus er bei uns ein seichte südwestliche Höhenströmung mit eingelagerten flachen Wellen induziert. In den nun folgenden Nachtstunden nimmt die z.Zt. noch recht rege Gewitteraktivität im Westen und Nordwesten kontinuierlich ab. Übrig bleiben teil-verclusterte Schauer, die sich unter Abschwächung über das westliche NDS zur Nordsee raus bzw. hinüber nach HH und SH verlagern. Darüber hinaus ziehen über den Westen und Nordwesten immer mal wieder Wolkenfelder hinweg, während die Nacht im großen Rest gering bewölkt (Cirren) oder klar verläuft. Eine Entkopplung der Grundschicht findet eigentlich nur noch im Südosten schwerpunktmäßig in Bayern statt, wo es gebietsweise auf unter 5°C abkühlt und lokal sogar für kurze Zeit leichter Frost in Bodennähe möglich ist. Ansonsten aber bleibt es mit Tiefstwerten, die häufig zwischen 15 und 8°C liegen, vergleichsweise mild wie schon lange nicht mehr. Sonntag ... gibt es den nächsten Anlauf, die konvektive Saison in Deutschland anzuschieben und gleichzeitig den Hochdruckeinfluss zu beenden. Bodendrucktechnisch gelingt das schon ganz gut, weitet sich die o.e. Rinne doch immer weiter nach Osten aus, wobei sie in Norddeutschland eine zunehmend zonale Ausrichtung annimmt. Hapern tut es zunächst noch in der Höhe, wo es der Potenzialrücken nicht ganz so eilig hat und auch die Progression des Troges mit integriertem Höhentief alles andere als forsch ist. So bleiben wir zwar unter einer südwestlichen Höhenströmung, die zunächst aber leicht antizyklonal konturiert ist und erst zum Nachmittag/Abend hin in den indifferenten bis zyklonalen Zustand wechselt. Dann nähert sich auch die Kaltfront an, wenn auch schleifend bis wellend und somit äußerst pomadig. Im Vorfeld strömt feuchte und potenziell instabile Subtropikluft ein (mS), in der im Tagesverlauf im Nordwesten trotz gehandicapter Einstrahlung (immer wieder durchziehende Wolken) einige hundert Joule pro Kilogramm CAPE generieret werden können. Am Morgen und am Vormittag gilt es rund um die Nordsee sowie in SH noch die Regenreste aus der Nacht zu tilgen. Ob dabei auch ein paar elektrische Entladungen zutage treten, wie von einigen Modellen angezeigt, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlicher sind Gewitter am Nachmittag, wobei sich zwei Zonen herauskristallisieren. Zone #1 liegt im Nordwesten, wo das PPW bis zu 30 mm ansteigt. Da die Organisationsform der Gewitter weitgehend strömungsparallel angeordnet ist und die Grundschicht nicht mehr ganz so trocken wie heute, nimmt die Wahrscheinlichkeit für Starkregen (markant) zu, während sie für Sturmböen abnimmt. Gleichwohl, aufgrund leidlicher Scherung können die Zellen z.T. ganz gut organisiert sein, so dass Böen 7-8 Bft ebenso ins Kalkül zu ziehen sind wie kleiner Hagel (Erbse bis etwa 2 cm Durchmesser). Im Laufe des Abends breiten sich die Gewitter im äußersten Norden langsam ostwärts aus. Mit Annäherung der wellenden Kaltfront kann der Südwestwind im Westen und Nordwesten auch außerhalb der Konvektion mitunter böig aufleben (Böen 6-7 Bft). Für eine Warnung dürfte das aber zu dünn sein. Baustelle #2 befindet sich im Südwesten, namentlich über dem Schwarzwald, wo die Wahrscheinlichkeit für eine Auslöse leicht erhöht ist. Zwar ist die Luft trockener und energieärmer als im Nordwesten, trotzdem signalisieren viele Modelle die ein oder andere Überentwicklung. Starkregen ist weniger wahrscheinlich, dafür ist durch die trockene Grundschicht (inkl. inverser V-Struktur) die Sturmgefahr höher (8-9 Bft, worst case 10 Bft). Hagel bis 2 cm sind ebenfalls drin. Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass sich die gesamte Osthälfte sowie weite Teile Süddeutschlands hochsommerlich und weitgehend unbeeindruckt der der Geschehnisse weiter westlich präsentieren. Zwar ziehen zusehends hohe, nach Westen hin auch mittelhohe Wolken auf. Trotzdem scheint noch für längere Zeit die Sonne, welche die Temperatur in für Anfang Mai bemerkenswerte Sphären zwischen 25 und 30,x°C ansteigen lässt. Heißt auch, dass die Chancen für den ersten heißen Tag des Jahres gutstehen, wobei die Wettquoten dafür im Osten BBs + Lausitz sowie in Ostbayern am niedrigsten liegen. Ganz im Westen sowie Richtung Nordsee und SH bleiben die Tageshöchstwerte unterhalb der 25°C-Marke. In der Nacht zum Montag nimmt die Gewitterwahrscheinlichkeit wieder deutlich ab. Reste der Tageskonvektion ziehen aber noch nordostwärts, wobei der meiste Regen rund um die Nordsee inkl. SH fällt. In Nachthälfte #2 ist auch dort eine deutliche Abschwächung zu erkennen. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... Es gelten im Großen und Ganzen die Ausführungen der heutigen Frühübersicht. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Wie so oft bei vergleichbaren Lagen: Die Basisfelder passen, die Details zur Konvektion schwimmen leicht und erfordern zeitnahes Warnmanagement. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann