SXEU31 DWAV 091800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Donnerstag, den 09.04.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Mehrere Frontpassagen bringen zeitweise wechselhaftes Wetter, inklusive einzelner Gewitter. Im Nordosten trocken, aber frostige Nächte. Küsten zeitweise böiger Ostwind. Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... gestaltet sich das Wetter über Deutschland meist frühlingshaft und arm an Warnungen. Der Nachmittag und Abend bleiben im gesamten Osten sonnig bzw. wolkenlos und auch im Süden überwiegt der Sonnenschein, wenngleich hier auch ausgedehnte hohe Wolkenfelder südwärts driften. Etwas labiler gestaltet sich das Wetter im Nordwesten, wo peripher einer abgehobenen Mischungsschicht entkoppelte Konvektion im RGB Wolkenkomposit auszumachen ist, teils im vereisten Zustand. Lokale Webcams stützen dies mit ersten (optischen) Vereisungen und Virga. Diese Konvektion kann sich bis zum Abend in NRW und in Richtung Emsland durch einige Schauer äußern, wobei der Niederschlag jeweils auch erst einmal den Boden erreichen muss. Die abendlichen Werte liegen im Westen um 20 Grad und gehen nach Osten auf 10 bis 14 Grad zurück. In Mecklenburg-Vorpommern wird es mit 4 bis 9 Grad gar ungemütlich kalt (kein Wunder bei Taupunkten von -5 bis -11 Grad). Der schwache Wind aus Ost bis Nordost frischt im Umfeld der Küsten weiterhin etwas auf und erreich peripher der Deutschen Bucht und entlang der holsteinischen Küste wiederholt die Bft 7. In der Nacht zum Freitag erfasst die teilokkludierte Kaltfront des Islandtiefs SASKIA den Westen der Republik (inklusive einer eher wetterinaktiven und schwachen Warmfront). Dabei interagiert die Kaltfront inklusive erhöhter niedertroposphärischer Feuchte mit der abgehobenen Mischungsschicht, sodass entkoppelt in rund 1.5-2 km AGL etwas MUCAPE in rege Schauer- und lokale Gewittertätigkeit umgesetzt wird. Die vergleichsweise höchste Gewitterwahrscheinlichkeit ergibt sich vom östlichen NRW Bergland/Rheinland-Pfalz bis nach Hessen und Unterfranken/das westliche Thüringen und entlang des Schwarzwaldes. Meist treten dabei aber nur einzelne Böen und etwas Graupel auf, inklusive einem kräftigen "Regenplatscher". Neben den Niederschlägen sei noch der Wind erwähnt. Die Front wird von einem recht scharf konturierten Bodentrog begleitet, dessen isallobarischer Gradient postfrontal für einige Bft 7 Böen in NRW gut ist, in Richtung Niederrhein/Eifel kann auch eine lokale Bft 8 nicht ausgeschlossen werden. Eine regionale/zeitlich begrenzte Windwarnung kann hier nicht ausgeschlossen werden. Derweilen kommt die teilokkludierte Kaltfront bis nach Süddeutschland und im Osten in etwa bis zur Elbe voran. Gleichzeitig arbeitet sich der Okklusionspunkt bis zu den östlichen zentralen Mittelgebirgen vor, wobei dies innerhalb der Numerik noch mit Unsicherheiten behaftet ist. Daher streuen die Modelle auch mit optionalen Niederschlagsschwerpunkten, die z.B. bei GFS peripher des Okklusionspunktes mit rund 10 l/qm/12h in Hessen und Franken zu finden sind. Warnrelevant fallen die Mengen nicht aus. Interessant ist allerdings die östliche Flanke des Niederschlags, die über dem Osten der Republik auf eine kühle und vor allem extrem trockene Luftmasse trifft. 12Z Aufstiege von Berlin zeigen PW Werten um 3 mm (was sehr nahe am absoluten Monatsminimum liegt bzw. sub-1% Werte bei den Perzentilen aufweist). Der hier eintreffende Niederschlag wird erstmal ordentlich verdunsten, was in Vorhersagesoundings zwischen H7 (H7 entspricht 700 hPa) und H9 mit einer nahezu isothermen Schichtung etwas unter 0 Grad quittiert wird. Die Frage wird sein, wie agil die Okklusion hier Niederschlag produziert und wie effektiv die Luftmasse angefeuchtet werden kann. Besonders EZ/Swiss_MRF heben einen Steifen von Schleswig/Lübeck bis nach Anhalt hervor, wo es ausgangs der Nacht Nassschneefall geben könnte (im EZ-EPS gar im Median 1 oder 2 cm Neuschnee), während das Gros der Modelle nur regional/zeitweise etwas Schneeregen zulässt. Man wird die Nacht über die Wetteraktivität entlang der Front sowie das Ausmaß präfrontaler Niederschläge beobachten müssen, um letztendlich eine Trendabschätzung geben zu können. Schneeakkumulationen erscheinen aber eher unwahrscheinlich, können allerdings besonders zwischen Schleswig und Lübeck dank der Nähe zum Trog und entsprechend höheren Niederschlagsraten nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Der Wind kommt im Osten meist schwach aus Ost, im Westen mäßig bis frisch aus West (besonders postfrontal). Peripher der Deutschen Bucht sowie entlang der holsteinischen Küsten treten wiederholt Bft 7/8 Böen aus Südost auf, auf Sylt ausgangs der Nacht dann auch aus West. Die Minima liegen im frontalen Einfluss zwischen 8 und 4 Grad, sinken im Osten in der sehr trockenen Luftmasse aber deutlich in den Frostbereich ab (0 bis lokal -5 Grad Luftfrost und bodennah besonders im östlichen Brandenburg und in Richtung Lausitz bis -9 Grad. Freitag ... verläuft dann mit Frontpassage im Süden und Osten erstmal bedeckt und mit wiederholten Niederschlägen, wobei entlang der Oder die ersten Tropfen wohl erst zum Abend fallen. Meist sind es nur wenige Liter auf den Quadratmeter, doch im östlichen Alpenstau sieht das mit 10 bis 20 L/qm in 12h deutlich nasser aus (im Berchtesgadener Land teils auch darüber). Die Schneefallgrenze bleibt entlang der Alpen meist über 1500 m. Schnee/Schneeregen bleiben in Richtung Mecklenburg sowie entlang des Erzgebirges bis in den Vormittag regional weiterhin ein Thema (meist aber Regen), wenngleich nur im Erzgebirge etwas Neuschnee vorstellbar ist (besonders wenn sich die Okklusionspunktpassage bewahrheitet). Nachfolgend fällt hier nur noch zeitweise etwas Regen. Ansonsten setzt sich postfrontal von Westen das nächste Bodenhoch bei uns fest und sorgt für eine rasche und durchgreifende Wetterberuhigung. Die dichte Wolkendecke vom Vormittag lockert im Tagesverlauf von Westen immer weiter auf, sodass am Nachmittag vielerorts die Sonne von einem locker bewölkten Himmel scheint. Einzelne Schauer können im Norden/Nordwesten nicht ausgeschlossen werden, vielleicht reicht es im Norden auch für ein kurzes Gewitter. Meist bleibt es aber trocken. Die Maxima liegen zwischen 10 und 16 Grad (am wärmsten den Oberrhein entlang), während es im Nordosten (Rügen bis in die Lausitz) mit 7 bis 10 Grad kälter bleibt. Der Wind kommt mäßig bis frisch aus Nordwest, im Nordosten schwach bis mäßig aus Süd (im Nachmittagsverlauf unter Abschwächung auf West drehend). In der Nacht zum Samstag steht unter Hochdruckeinfluss eine überwiegend klare Nacht ins Haus, regional mit etwas Nebel (besonders im Norden und Osten) und Minima, die im Westen zwischen 6 und 2 Grad und im Osten zwischen +1 und -6 Grad verweilen. Bodennah muss im Norden und Osten durchweg mit Frost in Bodennähe gerechnet werden, der im Osten auch mäßig ausfallen kann (bis -9 Grad). ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC Samstag ... ergeben sich keine größeren Abweichungen zur Frühübersicht. Der Tag beginnt deutschlandweit freundlich bis sonnig, bevor im Nachmittagsverlauf von Westen eine teilokkludierte Kaltfront dichte Bewölkung bringt, in Richtung Saarland-Niederrhein kann es zum Abend auch konvektiv verstärkt und teils gewittrig regnen. Sonst bleibt es aber trocken bei Maxima, die mit Blick auf Deutschland eine große Spanne aufweisen: 8 Grad auf Rügen und 25 Grad entlang des Oberrheins. Der Wind kommt mäßig bis frisch aus Ost bis Südost mit Bft 7/8 Böen über der Deutschen Bucht und entlang der holsteinischen Küste. In der Nacht zum Sonntag kommt die Front mit einigen Litern Regen auf den Quadratmeter bis zur Mitte und den Südwesten voran, anfangs im Südwesten auch noch lokal von Blitz und Donner begleitet. Warnrelevant fallen die Mengen aber nicht aus. Im Osten bleibt es trocken, wenngleich sich auch hier die Bewölkung im Verlauf der Nacht verdichtet. Die Minima liegen zwischen 8 und 4 Grad, im Nordosten zwischen 4 und 1 Grad (bodennah im Nordosten weiterhin mit leichtem Frost bis -4 Grad). Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Numerik hat die synoptische Entwicklung gut im Griff. Kleinigkeiten, die sich u.a. auf die Niederschlagsverteilung auswirken wurden im Text angesprochen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Helge Tuschy