SXEU31 DWAV 200800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Freitag, den 20.03.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: NEa (Nordost antizyklonal) mit Trend hin zu BM (Brücke Mitteleuropa) Heute und am Wochenende Hochdruckeinfluss (MAX) mit Schönheitsfehlern. Heute schwache Kaltfront Mitte/Süden, morgen Kaltlufttropfen Süden, darüber hinaus das berühmte Grundschichtduett Frost/Nebel. Synoptische Entwicklung bis Sonntag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Freitag... zeigt die große Wetterkarte von 00 UTC ein mordsmäßiges Hochdruckgebiet, das sich quasi vom Seegebiet vor Kanada brückenartig über den Atlantik nebst seiner Randmeere bis hinüber in die Weiten Russlands erstreckt. Dabei sind mehre Schwerpunkte auszumachen, von denen der für unseren Raum relevante über der Nordsee zu finden ist (MAX). In der Nacht brachte der stramme MAX etwas über 1025 hPa auf die barische Waage, was für ein fettes Hoch nicht unbedingt viel ist, aber in diesem Fall offensichtlich zu viel. So wird die 1025-hPa-Zentrums-Isobare im Tagesverlauf verschwinden, was die Wirkung des Hochs aber nicht sonderlich beeinträchtigt. Die Schwachstelle liegt ohnehin etwas weiter östlich, wo sich von Fennoskandien her eine Kaltfront in die antizyklonale Phalanx hineingemogelt hat. Absender ist ein Tief ganz hoch im Norden Europas (KATIE), genau zwischen Spitzbergen und Nowaja Semlja. Supported wird die Front von einem Potenzialtrog, der - je weiter sich der Blick nach Westen respektive Südwesten richtet - immer kärglicher daherkommt und immer weniger Impact erzeugt. Kein Wunder, muss das gute Stück doch gegen einen wuchtigen, vom Atlantik bis nach Skandinavien, aber auch bis nach Mitteleuropa gerichteten Potenzialrücken ankämpfen, was gemeinhin sehr anstrengend ist. Kurzum, die Kaltfront, die heute Morgen die Norddeutsche Tiefebene bereits hinter sich gelassen hat und nun den zentralen Mittelgebirgsraum in Angriff nimmt, fällt im Wesentlichen durch ein zonales Wolkenband und weniger durch Wetter auf. Immerhin, nach Osten hin "leckt" es ein wenig, meint, es regnet mitunter geringfügig, ohne dass dabei substanziell was zustande kommt (Mengen zwischen "so gerade messbar" bis 0,x l/m²). Dazu gilt es einen Luftmassenwechsel zu vermelden von abgetrockneter Subtropikluft (xSp) prä- zu abgetrockneter Polarluft (xPs) postfrontal, auch wenn sich die thermischen Gegensätze in Grenzen halten (T850 von etwas über 0°C auf etwas unter 0°C, wobei neuerliches Absinken die Temperatur im Nordwesten bereits wieder steigen lässt). Projizieren wir das auf die für uns eher relevante 2m-Temperatur, kommen wir im Norden und Osten auf immer noch milde 10 bis 15°C, was aber weniger ist als gestern. In Teilen Vorpommerns sowie an den meisten Küstenabschnitten plus Inseln muss man sich bei schwachen bis mäßigen nördlichen Winden gar nur mit 5 bis 9°C begnügen. Derweil bleibt es im Süden, vor allem aber im Westen mit Tageshöchstwerte zwischen 14 und 18°C (höheres Alpenvorland etwas darunter) standesgemäß (man beachte, heute um 15:46 GZ ist kalendarischer Frühlingsbeginn), rein klimatologisch überdurchschnittlich temperiert. Und sonst noch so? - Kommt das frontale Wolkenband langsam südwärts voran, wobei es nach Westen hin zur Fragilität neigt. Auch die Front selbst wird in ihrem Westteil schon bald große Schwierigkeiten bekommen, sich in frontolytischem Terrain (der Rücken ist wirklich sehr wuchtig) zu behaupten. Präfrontal scheint im Süden und Südwesten abgesehen von einigen Cirren und einigen Cumulanten, die sich aus der labilen Grundschicht heraus entwickeln (Inversion bei 800 hPa) die Sonne. Das tut sie rückseitig auch im Norden und Nordwesten. Allerdings hat sich gerade in SH und Vorpommern sowie im nördlichen NDS Nebel oder Hochnebel gebildet, dessen Abbau gerade im Nordseeumfeld, aber auch in Teilen von MV zu einer echten Geduldsprobe mit am Ende voraussichtlich nur Teilerfolgen werden dürfte. In der Nacht zum Samstag erreichen die Reste der Kaltfront nun auch den Süden oder sagen wir besser den Südosten, weil nach Westen hin immer weniger davon übrig ist. Heißt, neben Wolken zumindest in Ostbayern hier und da ein paar Tropfen, im höheren Fichtelgebirge und Bayerischen Wald vielleicht ein paar Alibiflocken. Ansonsten verbringen wir die Nacht am Südrand der sich regenerierenden und nach wie vor zonal exponierten Hochdruckzone, deren Divergenzachse mitten über die Nord- und Ostsee verläuft. Das hat insofern eine Bedeutung, als dass im Norden eine nordöstliche Windkomponente vorherrscht, mit der etwas marine Feuchtigkeit in die nord- und bedingt auch die ostdeutsche Grundschicht eingepflegt wird. Das wiederum führt dazu, dass dort die Nebel- und Hochnebelneigung erhöht ist, während nach Westen und Südwesten hin diesbezüglich wenig bis nix zu befürchten ist. Frost ist auch wieder ein Thema, durchaus ein diffiziles, insbesondere im Hinblick auf die genaue Regionalisierung. Im Norden beispielsweise besteht dort Frostgefahr, wo sich kein oder erst spät Nebel/Hochnebel bilden bzw. vom Tage noch vorrätig ist. Dann ist da der zentrale Mittelgebirgsraum, unmittelbar rückseitig der Front und damit in frischer Polarluft, wo leichter Frost gebietsweise wahrscheinlich ist, aber eben nicht überall (Plus und Minus z.T. dicht beisammen). Die dritte anfällige Zone befindet sich grob südlich der Donau, wo die frontalen Wolken zuletzt oder nur marginal ankommen. Samstag... tut sich auf den ersten Blick nicht viel auf der großräumigen Wetterkarte, über weite Strecken ist Persistenz angesagt. Für die Kanaren ist das nebenbei gesagt eine ganz, ganz schlechte Nachricht, dreht doch das vor Ort sesshaft gewordene Tief Therese (internationaler Name) weiterhin ungestört seine Kreise, was hohe Regenraten und z.T. kräftigen Wind zur Folge hat - unschön! Ganz anders die Situation in Deutschland, die uns weiterhin auf der Südflanke eines zwar schmalen, dafür aber sich über tausende von Kilometern erstreckenden Hochdruckschlauch sieht. Die Divergenzachse verbleibt knapp nördlich von uns, was einen schwachen, tagsüber mitunter leicht böig auflebenden Nordost- bis Ostwind zur Konsequenz hat. Hauptprofiteure in Form längeren Sonnenscheins sind der Nordosten, wo von Polen her etwas trockenere Luft advehiert wird. Viel Sonne auch in den westlichen Landesteilen, während sonst die Atmosphäre vom Norden bis in die Mitte schwer damit beschäftigt ist, die zahlreich vorhandenen "Verunreinigungen" der nächtlichen Nebel- und Hochnebelparty wegzuräumen, was dauern kann. Bliebe noch der Süden des Landes, wo tatsächlich etwas Abwechslung ins Spiel kommt. Schließlich gehen wir auf Ostern zu und da gehört es sich, dass auch die Atmosphäre einen gebenden Beitrag zu diesem Feste leistet. Wie meinen? - Nun, wie häufig bei Hochdruck- oder noch besser Hochrandlagen schleichen sich von irgendwo her irgendwelche "Eier" heran, die oft nur in der Höhe zu finden sind, während es im Bodendruckfeld weitgehend nach Hochdruck aussieht und man nach einem korrespondierenden Tief vergeblich Ausschau hält. Die Rede ist von Höhentiefs oder sogenannten Kaltlufttropfen (KLT), ganz besondere Vertreter ihrer Zunft, gelten sie doch als launische, oft nicht berechenbare Zeitgenossen. Morgen nun zieht ein solches Gerät - abgetropft aus einem Trog über NO-Europa - von Polen kommend über die Slowakei und Tschechien hinweg Richtung Österreich, von wo aus es seine Tentakeln bis nach Deutschland ausstreckt. Weniger in Form von irgendwelchen Fronten, die KLTs in der Regel fremd sind, als vielmehr durch leichte!! Anfeuchtung, vor allem aber Labilisierung der Luftmasse sowie ein sehr solides PVA-Maximum, dass allerdings durch KLA teilkompensiert wird. Lange Rede, kurzer Sinn, noch am Vormittag, vielleicht sogar schon in den Morgenstunden setzen in Bayern und wohl auch in Sachsen von Osten her schauerartige Niederschläge ein, die sich im Verlauf westwärts bis nach BaWü, evtl. auch bis nach Thüringen und Hessen ausweiten. Meist ist es Regen, der fällt, in Lagen oberhalb etwa 1000 m, nach Westen hin 1200 m können aber auch ein paar Flocken an den Start gehen, ohne dass dabei eine nennenswerte Neuschneeakkumulation herausspringt. Einige Modelle, darunter ICON-D2, aber auch SuperHD bieten sogar vereinzelte kurze Gewitter an, was angesichts des nur geringen CAPE-Angebots (es mangelt einfach an ausreichend Wasserdampf) aber fraglich erscheint. Wir werden sehen. Wie gesagt, KLTs sind sehr launische Gesellen. Thermisch zeigt der Kompass weiter nach unten. So werden 15 oder 16°C nur noch am Rhein sowie in unmittelbarer Umgebung erreicht. Ansonsten stehen 8 bis 14°C (am kühlsten der Südosten), direkt an der See z.T. noch weniger auf dem Zettel. In der Nacht zum Sonntag zieht der elliptisch konfigurierte kalte Lufttropfen über die Alpen und Süddeutschland hinweg nach Helvetien. Dabei kommt es im Süden von Ost nach West und mit leicht abnehmender Tendenz zu weiteren Niederschlägen in Form von schauerartigem Regen, in höheren Lagen Schnee. Darüber hinaus gilt es zu konstatieren, dass das brückenartige Hochdruckkonstrukt über UK/Irland und der Nordsee etwas an Substanz verliert, während gleichzeitig der Druck im Raum Baltikum/Belarus auf etwas über 1025 hPa steigt. Dadurch nimmt der Druckgradient hier zu Lande etwas zu, was aber nur in einigen exponierten Hochlagen (z.B. im Bajuwarischen Wald) Auswirkungen hat (Böen bis 8 Bft aus Nordost bis Ost). Ansonsten hält sich der Impakt dieser Hochdruckrochaden sehr in Grenzen, heißt, die Nacht verläuft im Norden und größtenteils auch in der Mitte (dort noch einige Restwolken) klar bei nur geringer Nebelneigung. Heißt aber auch, dass es vor allem in diesen Regionen verbreitet frostig wird mit bis zu -4°C, am Boden im Nordosten gar bis zu -8°C. Sonntag... verliert sich der Einfluss des KLTs zusehends und der antizyklonale Einfluss wird wieder größer. Nicht nur in der Höhe, wo der zonale Rücken etwas zulegt. Auch bodennah schiebt sich die Brücke von Norden her etwas dichter an den Vorhersageraum heran. Die Divergenzachse verbleibt aber weiterhin knapp nördlich von uns, was den Fortbestand östlicher, mitunter sogar leicht südöstlicher Winde zur Folge hat. Damit wird eine trockene Kontinentalluft herangeführt, in der in weiten Teilen der Nordhälfte die Sonne von einem wolkenlosen Himmel scheint. Aber auch sonst lässt sich die Sonne nicht lumpen. Lediglich nach Süden und Südwesten hin halten sich noch ein paar Altlasten des kalten Lufttropfens in Form dichterer Wolken, aus denen an der Grenze zur Schweiz sowie am westlichen Alpenrand am Morgen sogar einzelne Schauer möglich sind. Thermisch werden im Norden und in der Mitte meist 13 bis 17°C avisiert, abzüglich der typischen Küsten-Kühleffekte bei auflandiger Windkomponente, was dort in Teilen zur Einstelligkeit der Tageshöchsttemperatur führt. Im Süden stehen maximal 9 bis 14°C auf der Karte. In der Nacht zum Montag verlagern sich sowohl der zonal exponierte Höhenrücken als auch die Bodenbrücke etwas nach Süden, was Folgen insbesondere für den Norden hat. Dort nähert sich nicht nur die Frontalzone in Form eines flachen, von der Nordsee nach Südskandinavien schwenkenden Höhentrogs. Zudem gelangt man dort auf die Nordseite der zunehmend schwer zu erkennenden Divergenzachse. Vor allem im Nordwesten dreht der Wind auf Nordwest und es nähert sich die schwache Kaltfront eines Sturmtiefs über der Norwegischen See. Die Front bringt zwar einige Wolkenfelder, auf dem Sektor "Wetter/Niederschlag" dagegen ist sie zumindest in unseren Gefilden äußerst defizitär aufgestellt. Zur Mitte und nach Osten hin sowie in Süddeutschland verläuft die Nacht überwiegend gering bewölkt oder klar, an den Alpen teils auch wolkig. Hier und da bildet sich Nebel, wohl aber nicht überregional. Mit Ausnahme des Nordwestens sowie einiger Ballungszentren vornehmlich, aber nicht ausschließlich im Westen gibt es häufig leichten Luft- und gebietsweise mäßigen Bodenfrost. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die Modelle simulieren den geschilderten Ablauf sehr ähnlich. Dazu gehört auch, was keine Selbstverständlichkeit ist, die Positionierung und Zugbahn des Kaltlufttropfens. Das beantwortet aber noch nicht die Frage Gewitter ja/nein. Nehmen wir´s sportlich und gehen davon aus, dass wir weitgehend gewitterfrei bleiben. Wenn´s dann doch irgendwo mal blitzt und donnert, wird es bestenfalls für eine gelbe Basiswarnung reichen - vorausgesetzt, man detektiert das Gewitter früh genug UND es weist eine halbwegs brauchbare Lebensdauer auf, woran eine Warnung am Ende scheitern könnte (Stichwort "Sinn und Zweck des Hinterherwarnens"). Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann