SXEU31 DWAV 200800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 20.01.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: S/SEa Ruhige Hochdruckrandlage; trockenkalt mit mäßigen, im Südosten auch strengen Nachtfrösten. Im Norden auffrischender Ostwind, an exponierten Küstenabschnitten am Donnerstag stürmischer Böen. Am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag im Westen/Nordwesten lokal gefrierender Regen nicht ganz ausgeschlossen. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Dienstag... befindet sich Deutschland an der Westflanke eines von der Ägäis bis zur mittleren Ostsee reichenden Höhenrückens. Dieser wiederum stützt unser nun schon seit einiger Zeit wetterbestimmendes Hochdruckgebiet "CHRISTIAN" über Südosteuropa, von dem ausgehend eine Hochdruckzone bzw. besser: Hochdruckbrücke über Weißrussland und das Baltikum bis nach Nordskandinavien reicht. Flankiert wird der Rücken von Höhentrögen über Nordwestrussland und über dem nahen Ostatlantik, wodurch sich eine klassische Blockadesituation ergibt. Somit gelangt unterhalb einer um 900 hPa gelegenen Absinkinversion (darüber, in 850 hPa, herrschen Temperaturen zwischen +2 und +5 Grad) nach wie vor von Südosten her trockene und mäßig kalte Festlandsluft ins Vorhersagegebiet. Lediglich in den Niederungen West- und Südwestdeutschlands konnte die etwas feuchtere Luftmasse mit Taupunkten um bzw. knapp unter 0 Grad noch nicht komplett ersetzt werden, so dass sich dort in der vergangenen Nacht erneut Hochnebel-, bzw. in den Randzonen zu den klaren Regionen auch dichte Bodennebelfelder ausgebreitet haben, die sich auch tagsüber nicht überall auflösen werden. Ansonsten beginnt der Tag aber gering bewölkt bzw. sonnig. Mit Ausnahme einiger Niederungen West- bzw. Südwestdeutschlands gab es verbreitet leichten, im Südosten auch mäßigen, in einigen "Kältelöchern" dort strengen Nachtfrost. Im Tagesverlauf wird der Höhenrücken sowohl von Westen als auch von Nordosten ein wenig in die Zange genommen, wirkt aber nach wie vor blockierend. Ein kleinräumiges Höhentief (ebenso das zugehörige Bodentief "JAQUELINE") vor der Irischen Westküste kommt allmählich nordwärts voran, der zugehörige, zunehmend scharf konturierte Trog greift auf die Biskaya über. Gleichzeitig verlagert sich an der Westflanke des Höhentroges über Nordwestrussland ein Randtrog südwärts Richtung Baltikum, wodurch der Rücken etwas nach Süden abgedrängt wird. Rückseitig des Troges kann sich durch KLA und Absinken aber über Nordskandinavien bereits wieder eine neue Höhenantizyklone etablieren. Diese Prozesse gehen zwar mit leichtem Geopotenzialverlust bzw. Druckfall im Bodenfeld über dem Vorhersagegebiet einher, dennoch bleibt der Rücken so robust, dass er nach wie vor jeglichen Zugriff atlantischer Frontensysteme auf Kontinentaleuropa vorerst blockiert. Es reicht lediglich für ein paar hohe Wolkenfelder, die über die Westhälfte des Landes hinwegziehen, sonst scheint - abgesehen von einigen Hochnebelfeldern im Westen/Südwesten - allgemein die Sonne. Vor allem an den östlichen Mittelgebirgen weht anfangs noch lebhafter Südostwind, der in den entsprechend anfälligen Tälern und in den Kammlagen warnrelevant ist mit Böen Bft 7, exponiert Bft 8. Im Tagesverlauf nimmt er zwar langsam ab, vor allem im Ostelbtal sowie im Zittauer Bergland kann es aber noch bis in die kommende Nacht hinein für einzelne steife Böen reichen. Trotz Sonnenscheins gibt es im Nordosten sowie im östlichen Bayern gebietsweise leichten Dauerfrost, auch unter dem Hochnebel im Südwesten bleibt es frostig kalt. Sonst liegen die Maxima meist zwischen 0 und 4 Grad, in Teilen von NRW sowie in mittleren Höhenlagen der südwestdeutschen Mittelgebirge und im höheren Alpenvorland werden mildere 4 bis 8 Grad erreicht, örtlich (Hügel im Alpenvorland) vielleicht sogar an die 10 Grad. In der Nacht zum Mittwoch kommt der Kurzwellentrog über der Biskaya nordost-, später nordwärts Richtung England und Ostausgang des Ärmelkanals voran, während der Randtrog nördlich vom Baltikum Verbindung zu einem Höhentief bzw. Kaltlufttropfen über Südschweden aufnimmt. Dadurch zieht sich der Höhenrücken weiter nach Südosteuropa zurück, während sich das Höhenhoch über Nordskandinavien verstärkt. Beide bleiben in Form einer flachen, über das Vorhersagegebiet hinwegreichenden Potenzialbrücke verbunden. Im Bodenfeld schwächt sich Hoch "CHRISTIAN" weiter ab und zieht sich südostwärts zurück, während der Druck über Skandinavien langsam steigt. Im Vorhersagegebiet setzt sich der leichte Druckfall dagegen vor allem im Westen fort, das okkludierte Frontensystem des Bodentiefs "JAQUELINE" streift noch den Nordwesten Frankreichs bzw. Belgien, ehe es über die südwestliche Nordsee nordwärts zieht. Somit ziehen zwar zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder über den Westen und Nordwesten Deutschlands hinweg, es bleibt aber trocken. Durch den Druckfall kann sich ein Hochnebelfeld über Dänemark eventuell auch bis in den Norden von Schleswig-Holstein ausweiten. Ansonsten bleibt es aber wolkenlos bzw. gering bewölkt, lediglich in den Niederungen Südwest- und Westdeutschlands halten sich Nebel- bzw. Hochnebelfelder und können sich noch etwas ausweiten. Mit dem Druckfall im Westen verschärft sich vor allem über Nordwestdeutschland der Gradient und im Nordseeumfeld frischt der Wind aus Ost bis Südost auf. Morgens reicht es auf Helgoland eventuell für erste steife Böen. Auch Richtung Ostelbtal kann es noch einzelne Böen Bft 7 geben. Erneut steht eine frostig kalte Nacht ins Haus. Lediglich ganz im Westen, am Niederrhein, und auf den Ostfriesischen Inseln bleibt es teilweise frostfrei. Sonst gibt es leichten bis mäßigen, im Südosten auch relativ verbreitet strengen Frost. Glätte ist angesichts der trockenen Luftmasse kaum Thema, am ehesten kann es noch in den Nebelregionen West- bzw. Südwestdeutschlands durch gefrierende Nässe stellenweise glatt werden. Mittwoch... schwenkt der Kurzwellentrog über England, Schottland bzw. die westliche Nordsee nordwärts, ein weiterer Trog erreicht am Abend samt Bodentief "KIRSTIN" das Seegebiet südlich von Irland, wodurch der von Südgrönland bis zur Biskaya reichende Langwellentrog regeneriert wird und sich Richtung Iberische Halbinsel ausweiten kann. Der Randtrog über dem Baltikum und Südschweden kann sich noch etwas verstärken und sich ein wenig nach Westen vorarbeiten. Somit setzt sich der Druckfall über dem Vorhersagegebiet weiter fort und über die Mitte des Landes hinweg arbeitet sich eine flache Rinne ostwärts vor. Gleichzeitig dauert der Druckanstieg vor allem über Nordskandinavien an, wodurch sich der Gradient über Norddeutschland weiter verschärft. Über der Nordsee gibt es nun etwas verbreiteter steife Böen aus Ost, eventuell auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Atlantische Frontensysteme werden aber nach wie vor blockiert und drehen vor Kontinentaleuropa nordwärts ab, eventuell streift die Okklusion von "JAQUELINE" aber noch den äußersten Westen Deutschlands nicht nur mit dichteren Wolkenfeldern, sondern auch mit etwa Regen im Westen von NRW (nach Lesart des ICON-EU; GFS und IFS lassen es trocken). Auch von Norden her kommt dichte, stratusähnliche Bewölkung etwas weiter nach Süden voran und erfasst neben dem Norden von Schleswig-Holstein eventuell auch noch Rügen. Ansonsten scheint aber erneut überwiegend die Sonne, lediglich in einigen Niederungen West- und Südwestdeutschlands hält sich der Hochnebel. Dort sowie im Nordosten und im östlichen Bayern gibt es Dauerfrost (im Nordosten gewinnt die kalte Grundschicht auch etwas an vertikaler Mächtigkeit), sonst liegen die Höchstwerte meist zwischen 0 und 4 Grad, in Teilen von NRW, in höheren Lagen der südwestdeutschen Mittelgebirge und im höheren Alpenvorland zwischen 4 und 8 Grad. In der Nacht zum Donnerstag arbeitet sich der Höhentrog südlich von Irland über die Biskaya nach Westfrankreich vor, wird aber nach wie vor blockiert, verliert an Kontur und amplifiziert Richtung westliches Mittelmeer. Die Höhenantizyklone über Nordskandinavien bzw. dem angrenzenden Nordmeer zieht sich ein klein wenig nach Norden zurück, wodurch sich der nach Südschweden gerichtete Randtrog etwas nach Westen ausweiten kann und schließlich in etwa über der Südspitze Schwedens erneut als Kaltlufttropfen austropft. Über dem Vorhersagegebiet fällt der Bodendruck weiterhin, während das nun vom Ural bis nach Nord- und Mittelskandinavien reichende Hochdruckgebiet unverändert kräftig bleibt. Das führt zu einer weiteren Gradientverschärfung über Norddeutschland, so dass es neben steifen über der offenen Nordsee, also auf Helgoland sowie eventuell auch im Bereich der Ostfriesischen Inseln auch für einzelne stürmische Böen aus Ost bis Südost reicht. Ansonsten ändert sich nur wenig: Über den Westen und Nordwesten des Landes ziehen zeitweise hohe und mittelhohe Wolkenfelder hinweg, es sollte aber weitestgehend trocken bleiben. Mit dem sich etablierenden Kaltlufttropfen wird die kalte Grundschicht über dem Nordosten weiter angehoben, in 850 hPa sinkt die Temperatur dort auf 0 bis -4 Grad. Somit kann sich die dichte Bewölkung etwas weiter landeinwärts ausweiten und erfasst wahrscheinlich weite Teile Schleswig-Holsteins sowie Vorpommerns. Bis auf etwas Schneegriesel sollte es aber auch dort trocken bleiben. In den Niederungen Südwestdeutschlands hält sich weiterhin der Hochnebel bzw. Nebel, ansonsten zeigt sich der Himmel aber klar bzw. gering bewölkt. Somit ändert sich an den Minima und auch an der entspannten Glättesituation gegenüber der Vornacht kaum etwas, im Südosten gibt es erneut relativ verbreitet strengen Frost. Donnerstag... kommt der kleine Kaltlufttropfen an der Südflanke der nach wie vor quasistationären Höhenantizyklone nach Lesart des ICON-EU bis zum Abend zur Kimbrischen Halbinsel voran. An dessen Südflanke fallen über dem Norden und Nordwesten Schleswig-Holsteins eventuell ein paar Schneeflocken oder es gibt einzelne Schneeschauer, die Neuschneemengen sind aber nicht weiter nennenswert. Der Höhentrog über Westfrankreich verliert an Kontur und kommt bei weiterer Amplifizierung Richtung Algerien nur noch wenig nach Osten voran. Über Deutschland herrschen somit nur noch schwache Potenzialgegensätze und insgesamt weist das Geopotenzialfeld eine leicht antizyklonale Kontur auf. Im Bodenfeld kann sich die nun über West- nach Süddeutschland reichende flache Tiefdruckrinne noch etwas verstärken, während sich an Lage und Ausrichtung der Hochdruckzone über dem fennoskandischen Raum kaum etwas ändert. Somit nimmt der Wind im Norden noch etwas zu; an den Küsten von Nord- und Ostsee gibt es nun verbreitet steife, über Helgoland und auf den Ostfriesischen Inseln auch stürmische Böen aus Ost. Mit dem auffrischenden Wind kann sich bodennah nun die kalte Frostluft vor allem über der Norddeutschen Tiefebene weiter nach westen ausbreiten, so dass es von der Osthälfte bis weit nach Niedersachsen hinein wohl für Dauerfrost reicht, auch in Ostbayern gibt es weiterhin Dauerfrost. Sonst liegen die Höchstwerte zwischen 0 und 4 Grad, im Lee der westlichen Mittelgebirge, also vor allem in Teilen von NRW und im höheren Schwarzwald, wird es mit 4 bis 8 Grad milder. Mit Durchschwenken einer schwachen Warmfront bleibt es im Westen und Nordwesten nach wie vor eher bewölkt, ICON-EU simuliert im Emsland sogar ein paar Regentropfen, wobei dann die gefrierende Phase nicht ganz ausgeschlossen ist. Ansonsten ändert sich aber nur wenig: Eventuell hält sich in einigen Niederungen Südwestdeutschland noch beständig der Hochnebel, dann gibt es auch dort leichten Dauerfrost. Auch in die östlichen und ostbayerischen Mittelgebirge kann vom Böhmischen Becken her vielleicht Nebel/Hochnebel schwappen. Vor allem im Süden und Osten sowie in Teilen der Mitte scheint aber die Sonne. In der Nacht zum Freitag zieht der KLT über die Nordsee hinweg westnordwestwärts und wird schließlich Teil des Langwellentrogkomplexes vor Westeuropa. Dieser wiederum wird durch immer wieder von Nordwesten her einlaufende und abtropfende Randtröge regeneriert, ein kleinräumiges kräftiges Höhentief erreicht samt einer interessanten Sturmtiefentwicklung im Bodenfeld (das Tief weist einen symmetrischen und warmen Kern auf, man könnte meinen, es handelt sich um ein subtropisches Tief) morgens das Seegebiet vor der bretonischen Küste. Über dem Vorhersagegebiet ändert sich dabei an der Gemengelage nur wenig. An den Küsten weht unverändert kräftiger Ostwind, der tendenziell sogar eher noch ein klein wenig zunimmt. Über den Westen und Nordwesten ziehen zeitweise dichte Wolkenfelder, aus denen einige Modelle vom Niederrhein und dem Münsterland bis ins Emsland auch etwas Regen simulieren, der im Falle des Falles auch gefrieren kann. Eine überregionale Glatteisregenlage ist aber keinesfalls in Sicht, zumal es dort gebietsweise auch frostfrei bleibt. In Schleswig-Holstein kann es mit dem abziehenden KLT anfangs vielleicht noch ein paar Schneeflocken geben. Nach Osten und Süden zu bleibt es gering bewölkt bzw. wolkenlos, im Südwesten hält sich gebietsweise Nebel bzw. Hochnebel. Verbreitet gibt es Frost, im Südosten und Osten gebietsweise auch streng. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Mal abgesehen von Kleinigkeiten (eventuell etwas Regen im Westen und Nordwesten am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag) simulieren die Modelle allesamt ein sehr ähnliches Szenario. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Winninghoff