SXEU31 DWAV 071800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 07.02.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Festgefahrene GWL mit Hoch Fennoskandien und Tiefs naher Atlantik bzw. Mittelmeer. Weiterhin großer Temperaturunterschied von Südwest nach Nordost. Im Nordosten gebietsweise leichter Niederschlag. Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... befindet sich Deutschland im Bereich schwacher Druck- und Potenzialgegensätze. Lediglich im Küstenbereich weht weiterhin ein spürbarer, wenn auch nicht warnwürdiger Ostwind. Verantwortlich dafür zeichnet das fennoskandische Hoch EMMERAM, das an seinem Südrand a) für einen leidlichen Gradienten und b) für etwas Supergeostrophie sorgt. Mit etwas über 1025 hPa ist der gute EMMERAN gar nicht mal so prominent aufgestellt. Trotzdem übt das Hoch blockierende Wirkung aus, weil es von einer abgeschlossenen Höhenantizyklone gestützt wird. Kein Wunder also, dass die Okklusion, welche uns das Doppel-Tief STEPHIE (int. Leonardo) über dem nahen Atlantik respektive UK/Irland auf den Hals gehetzt hat, nicht wesentlich über die Elbe hinauskommt. Dort erleidet sie voraussichtlich schon in den nächsten Stunden das gleiche Schicksal wie viele Vorgängerfronten auch, die sich an stationären Nordeuropahochs die Zähne ausgebissen haben - sie löst sich auf. Das bedeutet aber nicht, dass nicht weiterhin noch eine gewisse Wetterwirksamkeit gegeben ist. Zwar sind sowohl die frontalen als auch die dynamischen Hebungsantriebe dünn. Das z.T. leicht konfluente Windfeld sowie die gute Feuchtsättigung in der vorliegenden Mischluft (Reste der aus dem Hoch ausfließenden Kaltluft xP vermischt mit der vom Atlantik sich ausbreitenden Meeresluft mSp) reichen aber offensichtlich aus, um in der Nacht zum Sonntag von SH bzw. der Ostsee bis hinunter nach Sachsen schwache Niederschläge am Köcheln zu halten - nicht flächendeckend und durchaus auch mit Unterbrechungen, aber immerhin. Die Frage, die sich primär stellt, lautet: Was kommt da von oben eigentlich runter? Tagsüber wurde bei überwiegend positiven Temperaturen Regen, teils aber auch Schnee oder Schneeregen beobachtet, ohne dass dabei nennenswert was akkumuliert ist (am ehesten ein wenig in Ostholstein). In den nächsten Stunden soll nun mehr und mehr die Schneephase in den Vordergrund treten, weil es erstens niedertroposphärisch abkühlt (T850 von rund -1°C am Abend auf rund -3°C am Morgen) und die Luftmasse noch hochreichend feucht ist. Damit ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten schneekristallbildender Eiskeime ziemlich hoch. Aber man kennt´s, der Teufel steckt wie so oft im Detail. Nicht immer hält er sich zu unserem Leidwesen an konzeptionelle Überlegungen vom Reisbrett, wie uns in der zurückliegenden Woche gleich mehrfach eindrucksvoll vor Augen geführt worden ist. Die niedrig angesetzten Niederschlagsraten tragen auch nicht zur Klarheit bei, so dass die Diensthabenden gut beraten sind, das Geschehen genaustens zu monitoren. Frost steckt im Nordosten noch ausreichend im Boden und auch die Luft- und Belagstemperatur soll sich zumindest teilweise in Gefilde knapp unter dem Gefrierpunkt zurückziehen. Kurzum, die Gefahr von gefrierendem Regen/Nieselregen ist definitiv nicht auszuschließen, auf der anderen Seite aber auch nicht belastbar vorherzusagen. Wie raus aus dem Dilemma? - Ausgabe einer prophylaktischen, breit aufgestellten gelben Glätte-Basiswarnung (bereits heute Mittag geschehen; deckt zudem gefrierende Nässe ab), die bei Bedarf regional begrenzt auf markant hochgesetzt werden muss (erstmalig am frühen Abend geschehen). Ansonsten gilt es noch zu konstatieren, dass die Wolkendecke heute tagsüber im Westen und Süden vielerorts aufgerissen und die Temperatur in den vorfrühlingshaften Bereich teils deutlich über 10°C gestiegen ist. Ein Großteil davon wird in der kommenden Nacht wieder getilgt. Thermisch sowieso, weil es die Strahlungsbilanz zu dieser Jahreszeit schlichtweg so will. Aber auch die Himmelsicht wird sich verschlechtern. Nicht etwa wegen der sich unvermeidlich senkenden Dunkelheit, sondern vor allem wegen der verbreiteten Bildung von Nebel oder Hochnebel. Die Luftmasse vom Atlantik ist per se schon ziemlich (grundschicht)feucht, so dass schon etwas langwellige Strahlungsabkühlung ausreicht, um erste Nebelfelder zu generieren. Hinzu kommt Mischungsnebel in den Regionen, wo noch Schnee liegt. Zwar bleibt es häufig frostfrei, doch gerade im Nordosten, in den Mittelgebirgen sowie Richtung Alpen kühlt es regional in den leichten Frostbereich ab, mögliche Glätte durch Reif oder gefrierende (Nebel)Nässe inklusive. Sonntag ... verlagern Boden- und Höhenhoch ihren Schwerpunkt langsam nach Süden. Das Zentrum des Kollegen EMMRAM findet sich um 24 UTC über den Baltischen Staaten wieder, von wo aus ein Ableger bis nach Südskandinavien reicht. Zur gleichen Zeit schlägt das Pendant in der Höhe über der südöstlichen Ostsee auf. Deutschland verbleibt in Hochrandlage unterhalb geringer, tendenziell leicht antizyklonal konturierter Potenzialgegensätze, was ziemlich statische Wetterverhältnisse zur Folge hat. Am meisten Wind geht nach wie vor an der Küste, wo im Norden Rügens sowie auf Helgoland vielleicht mal die ein oder andere steife Böe 7 Bft aus östlichen Richtungen vorbeischaut. Ansonsten passiert nicht allzu viel in unserem Lande. Meist verläuft der Sonntag bedeckt oder trüb, wobei es im Osten hin und wieder noch etwas grieseln oder nieseln kann. Mit Annäherung des Hochs lässt sich tendenziell eine Abtrocknung von oben konstatieren, so dass die Niederschläge zunehmend aus der Grundschicht heraus generiert werden. Trotz des Tagesgangs der Temperatur kann das Thema Glätte auch tagsüber nicht gänzlich vernachlässigt werden. Lokal bleibt die Temperatur bei 0°C hängen und - eigentlich wichtiger als die Lufttemperatur - es steckt noch immer Frost im Boden. Die Sonne lässt sich am ehesten im Lee der westlichen Mittelgebirge, im Bereich von Schwarzwald und Schwäbischer Alb sowie am Alpenrand blicken, teils sogar für längere Zeit. Auch wenn es im Westen und Süden nicht mehr ganz so mild wird wie heute, bleibt das thermische Südwest-Nordostgefälle spürbar: -0 bis +3°C im Norden und Osten stehen 7 bis 11°C im Westen und Süden gegenüber. Alle, die sich dazwischen sehen, kommen maximal auf 3 bis 7°C, was arithmetisch logisch ist. Die Nacht zum Montag bringt keine substanziell neuen atmosphärischen Erkenntnisse, zumindest nicht bei uns. Größere Wolkenlücken konzentrieren weiterhin auf den Westen, Südwesten und die Alpennähe. Allerdings schieben sich hier und da ein paar hohe oder mittelhohe Wolkenfelder über die Stratuslücken. Ansonsten lautet das Motto in weiten Teilen Deutschlands Stratus, Hochnebel oder auch Nebel, wobei im Osten hier und da etwas Schneegriesel und Nieselregen fallen kann, Glätte inklusive. Insgesamt werden die Flächen mit leichtem Frost wieder größer als in der Vornacht. Frostfrei bleibt es am ehesten in Teilen West- und Südwestdeutschlands. Der Ost-Südostwind an den Küsten lässt etwas nach. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC Montag ... starten wir sehr beschaulich und unspektakulär in die neue Woche, die dann aber im Verlauf mit hoher Wahrscheinlichkeit noch Einiges an Spannung und Abwechslung zu bieten haben wird. Was den Montag angeht, siehe Übersicht von heute früh. Oder warte auf Sonntagvormittag. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Großwetterlage wird modellübergreifend kongruent eingeschätzt. Wie häufig bei vergleichbaren Lagen sind es die Niederschlagsprozesse, die für einige Schwierigkeiten verantwortlich zeichnen. Vor allem die Phasenbestimmung ist aus im Text angesprochenen Gründen eine Sache für sich, bei der auch die Qualitätsbestimmung aus dem polarimetrischen Radar an seine Grenzen stößt. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann