SXEU31 DWAV 030800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Samstag, den 03.01.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: Tr M SCHNEEFALL/-VERWEHUNGEN: Heute im Nordweststau der nördlichen und östlich3een Mittelgebirge 5 bis 10 cm Neuschnee, teils binnen weniger Stunden und mit Verwehungen. In der Norddeutschen Tiefebene, etwa vom nördlichen Niedersachsen bis zum Havelland und Berliner Raum kleinräumig 5 bis 10 cm wahrscheinlich, lokal über 10 cm (UNWETTER) in wenigen Stunden nicht ausgeschlossen. FROST: In den Nächten und in den Frühstunden jeweils am Alpenrand strenger Frost bis unter -10 Grad. WIND/STURM: Heute tagsüber an der Nordsee sowie im höheren Bergland Sturmböen Bft 8/9. In den mittleren Regionen in freien Lagen stürmischer Böen nicht auszuschließen. Abends über der Deutschen Bucht und entlang der ostfriesischen Küste bei auf Nord drehendem Wind vorübergehend schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10), in der Nacht zum Sonntag anfangs noch andauernd. Ansonsten vom östlichen Niedersachsen bis zur Oder in freien Lagen einzelne stürmische Böen. Am Sonntag an der Ostsee sowie in höheren Berglagen noch Sturmböen Bft 8/9. GEWITTER: Heute in der Nordhälfte und danach im Küstenbereich kurze Wintergewitter mit Graupel oder Schnee und Gefahr von Sturmböen bis 85 km/h (9 Bft). Synoptische Entwicklung bis Montag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Samstag... liegt Deutschland am Rande eines Zentraltiefs, das sich im Raum Gotland festgesetzt hat. Dieses Tief wird von Kurzwellentrögen umlaufen, die für einen wechselhaften Wettercharakter sorgen. Im Randbereich dieses Zentraltiefs hat sich, abgesehen vom Südwesten und Süden Deutschlands, labil geschichtete Höhenkaltluft durchgesetzt, die im 500 hPa-Niveau Temperaturen zwischen -35 und bis unter -40 Grad aufweist. Die Folge ist ein winterlicher Wettercharakter mit Niederschlägen nahezu durchweg als Schnee. Aufgrund der hohen Labilität können sich im Norden, Nordosten und bis in die Mitte Deutschlands hinein kurze Wintergewitter (mit Graupel, Sturmböen Bft 8/9) entwickeln. Einer dieser Kurzwellentröge greift heute von Nordwesten her auf Deutschland über. Vorderseitige Hebung sorgt von Nordwesten her für eine Intensivierung der schauerartigen Schneefälle. Dies ist in einem Streifen vom nördlichen Niedersachsen, etwa dem Raum zwischen Bremen und Hamburg, bis ins Havelland und in den Berliner Raum hinein der Fall. In diesen Gebieten können innerhalb weniger Stunden 5 bis 10 cm Neuschnee zusammenkommen; unwetterartige Auswirkungen infolge von mehr als 10 cm Schnee in kurzer Zeit sind nicht auszuschließen. Daher ist für diese Gebiete bereits eine markante Schneefallwarnung aktiv. In den nördlichen und zum Teil auch in den östlichen Mittelgebirgen und vor allem an deren Nordwestflanken kommen durch Stau ähnliche Neuschneemengen zustande. Dort besteht aufgrund des in Böen zum Teil stürmischen Windes die Gefahr von Verwehungen. Ansonsten reicht es vom Nordwesten und Westen Deutschlands bis zur Oder und Neiße nur für wenige Zentimeter Neuschnee. Selbiges trifft auch für den Alpenrand zu, wo die Schneefälle alsbald nachlassen. Als weiterer Warnparameter ist der Wind erwähnenswert. Mit dem Übergreifen des Kurzwellentroges, der sich auch im Bodendruckfeld abzeichnet, frischt der Wind auf. Dies ist vor allem in den mittleren Landesteilen und südlich der zentralen Mittelgebirge der Fall. Dabei muss mit Wind- und in freien Lagen sowie bei kräftigeren Schauern mit stürmischen Böen, in höheren Berglagen mit Sturmböen Bft 8/9 (und selbstverständlich auch mit Verwehungen) gerechnet werden. Während anfangs noch an der Ostsee Wind- und einzelne stürmische Böen auftreten, legt im Tagesverlauf an der Nordsee und dort vor allem an der ostfriesischen Küste der Wind mit Sturmböen Bft 8/9 zu. Größere Auflockerungen kommen nur ganz im Norden, längere sonnige Abschnitte in Richtung Alpen zustande. Ansonsten hält sich weitgehend geschlossene Bewölkung. Die Tageshöchsttemperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt. Im höheren Bergland hält sich mäßiger Dauerfrost. Im späteren Tagesverlauf deutet sich über der Nordsee eine kleinräumige Zyklogenese an. Hier wirken diabatische Prozesse mit, wobei die noch relativ "warme" Nordsee eine entscheidende Rolle spielt. Bis zum Abend verlagert sich ein kleinräumiges Sturmtief in die Deutsche Bucht. In dessen Randbereich legt der Wind vor allem an der ostfriesischen Küste weiter zu, was dort schwere Sturmböen bis Bft 10 aufkommen lässt. Über der offenen See sowie auf den Inseln westlich der Weser sind auch orkanartige Böen nicht ganz auszuschließen. In der Nacht zum Sonntag wird dieses kleinräumige Sturmtief über den Nordosten Deutschlands rasch nach Polen gesteuert und füllt sich mangels dynamischer und thermischer Unterstützung alsbald auf. Dennoch dürfte der Wind dann im Binnenland in einem breiten Streifen vom nördlichen Niedersachsen bis zur Neiße mit Wind- und einzelnen stürmischen Böen auffrischen. Ähnliche Böen sind an der Ostseeküste und in den Höhenlagen der Mittelgebirge (dort weiterhin mit Verwehungen) und anfangs auch an der Nordsee zu erwarten. Von Nordwesten her flaut der Wind in der zweiten Nachthälfte alsbald ab. Ansonsten sind von der Küste bis zu den Mittelgebirgen weitere Schneeschauer zu erwarten, die meist nur wenige, in Staulagen durchaus auch mehr als 5 cm Neuschnee ergeben. Im Norden sowie im Süden kann es längere Zeit aufklaren, wodurch sich mäßiger, in Richtung Alpen auch strenger Frost einstellt. Leichter Frost ist durchweg zu erwarten, wodurch Glättegefahr besteht. Sonntag... beginnt sich das über der Ostsee liegende Zentraltief allmählich aufzufüllen, was den Gradienten etwas aufweichen lässt. Hierdurch sind in der ersten Tageshälfte Wind- und einzelne stürmische Lagen auf die Ostseeküste und die Höhenlagen der nördlichen und östlichen Mittelgebirge beschränkt, bevor auch dort der Wind schwächer wird und später wahrscheinlich nicht mehr warnrelevant ist. Bis dahin besteht aber in den entsprechenden Mittelgebirgen in freien Lagen die Gefahr von Verwehungen. Von Südwesten her greift Stabilisierung auch auf die mittleren Gebiete über. Daher schwächt sich die Schauertätigkeit ab, in den Staulagen der Mittelgebirge können noch einmal einige bis etwa 5 cm Neuschnee hinzukommen. In Nordseenähe und ganz im Nordosten lässt die Stabilisierung noch auf sich warten; einzelne kurze Graupelgewitter sind in diesen Gebieten daher nicht auszuschließen, sollten aber mangels dynamischer Antriebe nicht mehr so häufig auftreten wie das heute der Fall ist und maximal mit Windböen Bft 7 einhergehen. Wie bereits am Vortag sind größere Auflockerungen im Norden und Nordosten sowie im Süden am wahrscheinlichsten. In Alpennähe sind längere sonnige Abschnitte vorstellbar. Gegenüber heute ändern sich die Temperaturen nur unwesentlich. Vielerorts hält sich leichter, im höheren Bergland mäßiger Dauerfrost. In der Nacht zum Montag läuft über die Nordsee hinweg ein weiterer, aber relativ breiter Kurzwellentrog nach Süden ab. Dieser regeneriert ein Trog-Überbleibsel über der Iberischen Halbinsel, so dass sich in der Folge ein lang gestreckter, von der Barents-See über die südliche Nordsee hinweg bis nach Marokko reichender Trog ergibt. Hierdurch stellt sich eine südwestliche Strömung ein. Mit dieser kommt auch in den mittleren Regionen Deutschlands eine Stabilisierung in Gang, so dass dort selbst in den Staulagen der Mittelgebirge die Schauertätigkeit zum Erliegen kommt. Ganz im Norden bleibt die Schichtung noch labil, was vor allem an den Küsten weiterhin eine regen Schauertätigkeit zur Folge haben dürfte. Zudem frischt an der See der Wind auch wieder mit Böen Bft 7 auf. Dort, wo es aufklart, ist mäßiger, im Süden verbreitet strenger Frost zu erwarten. Da ganz im Süden der sich weiter abschwächende Gradient die Luftmasse zur Ruhe kommen lässt, ist über schneebedeckten Gebieten strenger Frost bis unter -15 Grad nicht auszuschließen. Montag... rückt die Achse des bis nach Marokko reichenden Troges in ihrem nördlichen Teil etwas nach Osten vor, verbleibt aber mit ihrer Lage noch über der südlichen Nordsee. Im Bodendruckfeld ist von dem Zentraltief der Tage zuvor nichts mehr zu sehen. Vielmehr stellen sich über Mitteleuropa geringe Luftdruckgegensätze ein. Daher sollte der Wind, abgesehen vielleicht von einigen Abschnitten an der Ostseeküste, nicht mehr warnrelevant sein. Bedingt durch die Annäherung der Trogachse nimmt im Nordwesten Deutschlands die Labilität wieder etwas zu. Generell bleibt im Norden die Schichtung labil, was vor allem im Küstenbereich und auch ganz im Nordwesten die Schauertätigkeit bis hin zu kurzen Graupelgewittern aufrecht hält. Ansonsten bleibt es weitgehend niederschlagsfrei. Abgesehen vom Norden und Nordosten Deutschlands kommen vermehrt Auflockerungen zustande. Temperaturen um oder ein wenig über 0 Grad sind allenfalls am Niederrhein und unmittelbar an der Nordsee zu erwarten. Ansonsten hält sich leichter, im Bergland und zum Teil auch in Alpennähe mäßiger Dauerfrost. In der Nacht zum Dienstag läuft über die nördliche Nordsee hinweg ein weiterer Kurzwellentrog nach Südosten ab. Durch diesen wird die Hauptachse des wetterbestimmenden Troges etwas nach Südosten gedrückt. Dies lässt die Labilisierung bis zu den nördlichen Mittelgebirgen ausgreifen. Der neue Kurzwellentrog initiiert eine weitere Tiefentwicklung über der Nordsee, wobei die Lage, Zugbahn und Intensität dieses Tiefs noch unsicher ist. Wahrscheinlich dürfte an der Küste Nordfrieslands der Wind wieder mit Böen Bft 7 bis 8 und Sturmböen über der offenen Nordsee auffrischen und an Nord- und Ostsee die Schauertätigkeit (weiterhin durchweg als Schnee) bis hin zu kurzen Graupelgewittern wieder verstärkt in Gang kommen. In der Mitte und im Süden Deutschlands sind die Luftdruckgegensätze nach wie vor gering. Gebietsweise klart es auf. Deutschlandweit ist leichter bis mäßiger, bei Aufklaren über Schnee sowie im Bergland strenger Frost zu erwarten. In Alpennähe sind Tiefsttemperaturen bis unter -15 Grad möglich. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Die vorliegenden Modelle stützen weitgehend die oben beschriebene Entwicklung. Anhand der synoptischen Basisfelder lassen sich kaum prognoserelevante Unterschiede ableiten. Diese ergeben sich jedoch im Detail. Sowohl bei der Tiefentwicklung heute Abend als auch beim kleinräumigen Tief über der Nordsee in der Nacht zum Dienstag wird von ICON-EU die intensivste Entwicklung gezeigt (was aber aufgrund der Randbedingungen durchaus plausibel ist). Hinsichtlich des "zweiten" Tiefs Montagabend und in der Nacht zum Dienstag zeigt GFS bereits Montagabend ein vorlaufendes kräftiges Tief, was von den anderen Modellen nur angedeutet wird. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Thomas Schumann