SXEU31 DWAV 241800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Dienstag, den 24.03.2026 um 18 UTC SCHLAGZEILE: Stürmischer Mittwoch, Bergland Sturm. Mittwoch und Donnerstag reges Aprilwetter, inklusive Graupelgewitter. Besonders am Alpenrand kräftige Staulage mit erheblichen Neuschneemengen. Nacht zum Freitag verbreitet frostig. Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC ---------------------------------------------------------------- Aktuell ... geht NORBERT erneut mit frühlingshaftem Wetter einher, nur geringfügig durch hohes WLA Gewölk gestört und mit 14 bis 19 Grad sehr mild temperiert. Im äußersten Norden regnet es nahe der zonal ausgerichteten Frontalzone etwas mit wenigen Litern Nass auf den Quadratmeter und so gehen wir auch in den Abend: Im Norden etwas Regen (besonders nahe Dänemark), sonst trocken und besonders südlich der Donau meist wolkenlos bei abendlichen Werten von 16 bis 10 Grad, küstennah und im Bergland auch etwas kälter. Der Südwestwind frischt im westlichen Bergland zeitweise böig auf mit markanten Böen auf dem Brocken (Bft 8 bis 9). Sonst weht er schwach bis mäßig aus West bis Südwest. In der Nacht zum Mittwoch kommt dann die seit Tagen angesprochene Umstellung der Großwetterlage in Gang. Eine Welle, die südlich des steuernden Sturmtiefs LIVIA nach Osten geführt wird ist aktuell im Wasserdampfbild sehr gut in Form einer markanten Tropopausenfaltung über Irland (16Z) auszumachen, die z.B. in H5 von einem 110-120 kt Jet flankiert wird. Diese Welle passiert die Nacht über die Nordsee ostwärts in Richtung Skagerrak und entwickelt sich derweilen zu einem eigenständigen Randtief weiter, das auf den Namen MARLIS hören wird und am Mittwoch den Bottnischen Meerbusen erreicht. Im IFS-ENS hebt sich MARLIS durch eine enge Memberclusterung hervor (bzgl. horizontaler Ausdehnung der Memberwolke aber auch mit Blick auf die Intensivierungsrate, die bei rund 975 hPa zu enden scheint). Dessen Kaltfront erfasst ausgangs der Nacht zum Mittwoch den Westen von Deutschland und wird in der Folge zügig ostwärts geführt. Somit verläuft die Nacht zum Mittwoch im Süden und Osten insgesamt unauffällig. Durchziehende hohe Wolkenfelder bringen keinen Regen und einzig der Südwestwind frischt im Bergland von Stunde zu Stunde mehr auf (markante Böen Bft 8/9 im oberen Bergland und Bft 7/8 in bei Südwest anfälligen Lagen (teils auch im Lee)). Die Minima liegen im zumeist entkoppelten Süden zwischen 4 und -1 Grad (Luftfrost nur noch vom östlichen Alpenrand bis nach Niederbayern), während die Nacht über der östlichen Mitte mit rund 8 Grad milder verläuft. Anders sieht der Nachtverlauf im Westen aus. Nach ruhigem Beginn gewinnt der Südwestwind präfrontal der von Nordwesten nahenden Kaltfront im Bereich des 60-65 kt kräftigen warmen Jets stetig an Kraft mit Bft 8/9 Böen im Bergland und Bft 7/8 Böen in tiefen Lagen (die dank der noch stabilen Schichtung vom kräftigsten Wind entkoppelt bleiben). Gipfellagen, die in den warmen Jet ragen, dürften aber auch entsprechende Bft 11/12 Böen melden (Brocken oder Feldberg). Entsprechende Warnungen haben bereits Gültigkeit. Die Kata(kalt)front bringt dem Nordwesten nach Mitternacht Regen, der mengenmäßig bei rund 2 bis 5 l/qm in 6h überschaubar bleibt dank nur mäßiger Frontogenese und rascher Verlagerung. Die Bodenkaltfront erreicht ausgangs der Nacht den Nordwesten, worauf wir aber erst im kommenden Abschnitt eingehen werden. Die Minima liegen im durchmischten Norden/Westen bei 9 bis 4 Grad. Mittwoch ... steht uns dann ein abwechslungsreicher Tag mit vielen "Baustellen" bevor, die wir in der Folge kurz hervorheben. Grundsätzlich erfasst die Bodenkaltfront zur Mittagszeit eine Linie von Berlin bis Straßburg und zum Abend passiert sie bereits Niederbayern südostwärts - im Mittel eine Verlagerung von 55 bis 65 km/h. Gleichzeitig erfasst der nachfolgende Höhentrog Deutschland von Nordwesten und lässt dort zum Abend die H5 Temperaturwerte auf rund -36 Grad zurückgehen. Erwähnenswert ist auch, dass die Welle aktuell über dem Nordostatlantik zwar mit einer Feuchteschliere aus den subtropischen Bereichen interagiert, die jedoch nur fokussiert entlang des sich strukturierenden warmen Jets mit Feuchteanomalien von bis zu 200% über der Hintergrundklimatologie aufwartet. In der Folge schwächt sich dieses Band rasch ab, was man an Hand der Perzentilvorhersagen vom niederschlagbaren Wasser gut erkennen kann. Diese feuchte Luftmasse wird postfrontal von einer vergleichsweise sehr trockenen und allmählich modifizierten polaren Luftmasse (mP) ersetzt (teils nahe der Rekordwerte für März über Nordwesteuropa). Schauen wir uns aber nun die wichtigsten Bausteine des Tages an. Die Windentwicklung kann grundsätzlich den bereits gültigen Warnungen entnommen werden. Nach Passage des warmen Jets nach Osten weicht der Druckgradient postfrontal über der Mitte rasch auf mit H85 Windgeschwindigkeiten von 30 bis 40 kt, während der Wind im Süden (dank Einfluss der Alpen) und im Norden (nahe der Wellen-/Randtiefpassage) mit 40 bis 50 kt höhere Werte aufweist. Dieses Hintergrundwindfeld interagiert nun mit mehreren synoptischen Systemen. Kaltfront: Die Kaltfront erfasst ausgangs der Nacht zum Mittwoch den Nordwesten und wird in der Folge rasch ostwärts geführt, hängt aber im Süden etwas zurück. Dies hängt u.a. daran, dass im Norden im Vergleich zu gestern der postfrontale Druckanstieg etwas fokussierter berechnet wird, sodass der 0-3 km Scherungsvektor präfrontal (50 kt Südwest) nach Passage auf 30 kt WSW bis W rechtsdreht. Neben verstärkter Hebung/Konvergenz hat dies auch eine höhere Wahrscheinlichkeit für gut organisierte konvektive Liniensegmente bei Kaltfrontpassage zur Folge (durchbrochene LEWP Struktur). Hierbei besteht das höchste Böenpotenzial entlang der Kaltfront (einige Böen Bft 9 in NRW/NI/SH) vor allem bei mesoskalig Nord-Süd ausgerichteten Liniensegmenten (dank eingebetteter seichter Mesos). Anfangs kann im Nordwesten ein kurzes Gewitter nicht ausgeschlossen werden. Die Kaltfront verliert nach Osten und Süden an Struktur (u.a. nachlassende LL mixing ratios im Osten und dominierender Effekt der geführten Winde im Alpenvorland), sodass das konvektive Böenpotenzial allmählich nachlässt (dennoch wiederholt mit markanten Böen Bft 8 vertreten). Bodentrog: Direkt an die Kaltfront anschließend erfolgt eine Bodentrogpassage, die an ein nennenswertes Druckanstiegsmaximum im Norden gekoppelt ist (außer UK10 stützen alle Modelle diesen Trog, wobei GFS die aktuell größte Amplitude aufweist). Sie passiert NRW/Niedersachsen am Vormittag und Brandenburg/Vorpommern am Nachmittag. Besser in höhenkalter Luft platziert und dank eines recht normal zum Bodentrog aufgestellten 20 kt 0-3 km Scherungsvektors sind die Bedingungen für organisierte Liniensegmente erneut gut, wenngleich nun mit einem höheren Anteil an Gewittern. Insgesamt sorgt die postfrontal recht limitierte Feuchte für überschaubare Labilitätswerte (die zudem teils auch durch entrainment verringert werden), dennoch sollten 200-400 J/kg MUCAPE im Bereich des Möglichen sein. Was auffällt sind nicht nur hochreichend überaus beachtliche mid-level lapse rates von rund 8K/km, sondern auch beachtliche 0-3 km lapse rates um 7 K/km, die zwar wenig LLCAPE (dank der geringen Feuchte), dafür aber ordentlich DCAPE generieren (teils um 300 J/kg). Sprich, das Böenpotenzial ist an dieser Linie hoch (Impulstransport und Verdunstungskälte), sodass hier verbreitet Bft 8/9 Böen zu erwarten sind mit geringen Wahrscheinlichkeiten im ID2-EPS für einzelne Bft 10 Böen (Nord-NRW, NI bis ST und im Norden bis nach MV). Zwar ist die thermodynamische Schichtung innerhalb der unteren Troposphäre nicht gut, die cold pools dürften durch die effektive Abkühlung recht agil sind (cold pool dominant) und die 0-3 km Scherung ist mit 20 kt recht schwach. Dennoch sind einzelne seichte Mesos z.B. an den Enden der Liniensegmente oder peripher lokaler rear inflow jets nicht ausgeschlossen. Westen und Südwesten mit Schneefall: Der postfrontale Bodentrog interagiert im Nachmittagsverlauf im Südwesten mit einer leicht labilen Luftmasse, wo auch die Windscherung wieder höhere Werte aufweist, sodass auch hier mit Passage mehrere Schauer- und Gewitterstaffeln mit markanten Böen zu rechnen ist, im Hochschwarzwald dann exponiert auch mit unwetterartigen Böen. Bei einer von Westen rasch auf 600-400 m absinkenden Schneefallgrenze muss in Verbindung mit den Schauern/Gewittern und den Böen lokal/vorübergehend mit Beeinträchtigungen im Straßenverkehr gerechnet werden (etwas Neuschnee in höheren Lagen oder Graupelansammlungen im Tiefland). Besonders in Richtung Eifel und auch im Hochschwarzwald fallen im Ensemblemax. markante 6 std. Mengen auf, die ggf. bei guter (normaler) Ausrichtung von kräftigen Schauerstraßen zur Orografie durchweg lokal im Bereich des Möglichen sind (über 5 cm Neuschnee in 6h). Auch am Alpenrand setzt Schneefall ein, wobei die Schneefallgrenze zum Abend auf 900-800 m absinkt. Geführte Winde am Alpenrand: Im Verlauf des späten Vormittags etabliert sich von Oberschwaben ostwärts ausgreifend ein separates Starkwindfeld, das angetrieben durch einen kräftigen isallobarischen Gradienten vorübergehend (bis zum Nachmittag bzw. bis zur Kaltfrontpassage) für Bft 8/9 Böen (exponiert im Bergland noch mher) gut ist. Zum Nachmittag beruhigt sich das Wetter rückseitig des Bodentroges und in der trockenen Polarluft im Norden rasch/nachhaltig, wobei auch der Druckgradient auffächert und der Wind im Binnenland nachlässt. Dies gilt nicht für die Deutsche Bucht, SH und das Ostseeumfeld, wo weiterhin markante Böen aus West bis Nordwest auftreten. Die Maxima liegen präfrontal der Kaltfront im Südosten und äußersten Osten nochmal bei 15 bis 17 Grad und gehen postfrontal auf 8 bis 12 Grad zurück. In der Nacht zum Donnerstag erfasst der thermische Höhentrog ganz Deutschland, sodass die Konvektion mit nur zögernder Abschwächungstendenz vom Tage in die Nacht getragen wird. Bei einer bei bis in tiefe Lagen absinkenden Schneefallgrenze sollte das im Süden vielerorts für (etwas) Neuschnee gut sein, im Tiefland eher nur "Stundenmatsch". Der Fokus beim Neuschnee liegt auf der regen Konvektion im Südwesten und Süden, die sich bei einer im Nachtverlauf auf Nord drehenden Anströmung zunächst effektiv im Schwarzwald und in der Folge am Alpenrand anstaut. Dort werden 12 std. Niederschlagsmengen von 10 bis 20 l/qm im Hochschwarzwald und 15 bis 25 l/qm im Stau der Alpen erwartet. Es sei aber darauf hingewiesen, dass die Niederschläge einen konvektiv verstärkten Charakter aufweisen und lokal/zeitweise von erheblichen Stundensummen im direkten Stau begleitet werden. Die Modelle mit besser aufgelöster Orografie heben daher die Staulagen auch mit 12std. Spitzen jenseits der 30 l/qm hervor, sodass sicherlich regional auch erhebliche Neuschneemengen nicht ausgeschlossen werden können. Im Median der Ensembleverfahren sind es am Alpenrand um 15 cm Neuschnee in 12h, im Hochschwarzwald bis 10 cm, wobei aber die Maxima jeweils bei 20 bis 25 cm zu finden sind. Diese Spitzen können bei effektiven Schauerstraßen lokal nicht ausgeschlossen werden (wenngleich der anfangs noch nasse Schnee rasch einsackt). Ansonsten verläuft die Nacht im Nordosten dank der trockenen Luftmasse trocken und wechselnd bewölkt, mit reger Schauertätigkeit im Nordwesten (teils mit Flocken bis ins Tiefland vermischt, allerdings ohne Akkumulation). Der Westwind schwächt sich im Binnenland eingangs der Nacht rasch ab (strichweise entlang von Schauerstaffeln noch mit markanten Böen bis in die erste Nachthälfte). Derweilen dauern die markanten Böen im Bergland weiter an (Bft 8 bis 9) und über der Deutschen Bucht herrscht Nordweststurm (Bft 8 bis 9). Die Minima liegen zwischen +4 und -3 Grad, sodass nach Schauern und raschem Aufklaren bzw. abflauendem Wind Straßenglätte im zentralen Bergland und natürlich auch im Süden nicht ausgeschlossen werden kann. ---------------------------------------------------------------- Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC Donnerstag ... nur kurz zusammengefasst, da insgesamt etwas ruhiger. Wir verbleiben unter dem sich abschwächenden Höhentrog in einer labil geschichteten Luftmasse. Bei H85 Temperaturwerten von -5 bis -8 Grad fallen zahlreiche Schnee-/Schneeregen-/Graupel- oder Regenschauer (Schneefallgrenze 200 bis 400 m). Vielerorts (besonders in Luvlagen) reicht es für einige Zentimeter Neuschnee (1-5 cm in 12h), was auch durch eine homogene Ensembleverteilung im Median/Maximum hervorgehoben wird (die labile Komponente lässt vor allem dank der Abtrocknung weiter nach). Inwieweit die Schauer organisiert daherkommen hängt erneut von kleinräumigen Wellen ab, die teils orografisch induziert innerhalb der Numerik noch sehr variabel vorhergesagt werden (UK10 aktuell mit einer deutlichen Trogvariante). Die Ausnahme ist der Alpenrand, wo sich die rege Schaueraktivität weiter staut und tagsüber (bis in die Nacht zum Freitag) 10 bis 20 cm Neuschnee bringt, im direkten Stau (und in höheren Lagen) sind auch 20 bis 40 cm Neuschnee in 24h vorstellbar. Der Nordwestwind weht im Binnenland meist mäßig bis frisch und besonders peripher der Konvektion auch stark böig. Der Nordweststurm über der Deutschen Bucht dauert mit Bft 8 bis 9 Böen (auf Helgoland auch immer wieder Bft 10) weiter an, bevor der Wind zum Abend nachlässt. Entlang der Ostsee weht der Westwind ebenfalls stark böig bis stürmisch. Die Maxima liegen im Dauerniederschlag an den Alpen um 0 Grad und sonst zwischen 4 und 9 Grad. Die Nacht zum Freitag verläuft unter zunehmendem Hochdruckeinfluss wechselnd bewölkt und abseits letzter Schauer in Staulagen meist auch trocken. Davon abgesehen schneit es am Alpenrand weiter mit 5 bis 10 Neuschnee in 12h. Achtung an die Gärtner unter uns: Bei windschwachen Verhältnissen kühlt es in der eingeflossenen Polarluft rasch ab und es muss mit leichtem bis mäßigem Luftfrost (0 bis -5 Grad) gerechnet werden, bodennah sind sogar bis -9 Grad möglich. Davon ausgenommen nur der Norden, wo eine etwas stärkere Durchmischung die Abkühlungsrate hemmt. Modellvergleich und -einschätzung ---------------------------------------------------------------- Die Numerik hat die Entwicklung gut im Griff. Nennenswerte Diskrepanzen gibt es kaum, wobei jedoch Feinheiten (z.B. Bodentröge) noch geringe Unsicherheiten aufweisen. Dies wurde im Text besprochen. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Helge Tuschy