SXEU31 DWAV 080800 S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T ausgegeben am Mittwoch, den 08.04.2026 um 08 UTC GWL und markante Wettererscheinungen: GWL: Trotz vorübergehender Störung von Westen insgesamt HFa (Hoch Fennoskandien antizyklonal) Heute verbreitet sonnig oder nur locker bewölkt, im Südwesten und Westen mit voller, im Nordosten mit stark gedämpfter Frühlingstemperatur. Vor allem in der Nacht zum Freitag und zunächst auch noch tagsüber von Westen vorübergehend zyklonaler mit allen Schikanen: Regen/Schauer, vereinzelte Gewitter (keines Fragezeichen), Schnee (im Osten), gebietsweise Wind oder Sturm. Am Freitag insbesondere im Westen und Südwesten merklich zurückgehende Temperaturen. Synoptische Entwicklung bis Freitag 24 UTC -------------------------------------------------------------- Mittwoch... ist bei uns noch alles auf Hochdruck gestellt. So verbleiben wir weiterhin unter der Ägide eines nahezu stationären Höhenrückens, der sich vom westlichen Mittelmeer bis hoch in die Barentssee erstreckt und dabei mit QUIRIN zusammenarbeitet. QURIN ist das korrespondierende Bodenhoch, das nicht minder ausladend daherkommt. Meridional exponiert reicht es von Nowaja Semlja über Skandinavien hinweg bis nach Mitteleuropa und mithin auch nach Deutschland. Der Schwerpunkt des Hochs befindet sich weit oben im Norden über Lappland, wo das Barometer heute zeitweise auf NN reduzierte 1040+x hPa anzeigt. Alles, was sich zyklonal schimpft, macht derzeit noch einen großen Bogen um QUIRIN und den blockierenden Rücken, aber es wird schon ein bisschen gebohrt. Zu nennen wäre da in erster Linie das Geschehen über dem nahen Atlantik, wo sich west-südwestlich von Irland ein fettes Sturmtief (SASKIA) mit rund 975 hPa festgesetzt hat und auf seiner Rückseite kanadische Kaltluft anzapft. Dadurch gewinnt der anfangs noch breit und flach daherkommende Potenzialtrog über dem Ostatlantik zunehmend an Amplitude bei gleichzeitig seichter Progression gen Osten. Ein Frontensystem gibt es auch, genau genommen derer zwei mit einer vorlaufenden, um 00 UTC über UK/Irland analysierten Kaltfront sowie einem okkludierenden Frontensystem weiter draußen auf dem Atlantik. Bevor die genannten Systeme bei uns so richtig ins Geschehen eingreifen, vergeht erst noch ein nahezu störungsfreier Mittwoch, an dem mit einem einzigen Adjektiv eigentlich schon alles gesagt ist: sonnig! Okay, selten eine Regel ohne Ausnahmen. Zu nennen wären an dieser Stelle die Schleierwolken, die quasi als laue Vorboten des Geschehens auf dem Atlantik von der Nordsee und Benelux in den Norden und Westen schleichen, ohne aber den ganz großen Impact auszuüben. Vielleicht, aber auch nur vielleicht werden sie später am Tag mal etwas dichter, dass sie die Sonne gebietsweise etwas stärker abschirmen. Baustelle #2 befindet sich ganz im Osten, wo später erstens von Polen und der Ostsee her ein paar fragile ST/SC-Reste reindriften können und/oder sich aus den labilen Grundschicht ein paar Kumuli bilden. Ansonsten aber lässt sich in der sehr trockenen Luft vielerorts kein Wölkchen am Himmel blicken. Apropos Luft, womit wir beim eigentlich interessantesten Aspekt des heutigen Tages angekommen wären, nämlich der Temperatur. Schon in der vergangen Nacht gab es große Unterschiede zwischen dem Osten und dem Westen/Südwesten, Beispiel gefällig: Im brandenburgischen Baruth südlich von Berlin kühlte es auf -6,2°C ab, in der Luft wohlbemerkt (am Boden waren es -9,1°C). Regelrecht mollig dagegen Weiskirchen im Saarland, wo es nicht kälter als +9,1°C wurde. Dieser Trend setzt sich auch heute tagsüber fort, wenn auch natürlich auf einem ganz anderen Niveau. Im Grunde ist es nämlich so, dass wir im Osten und Nordosten skandinavische Kaltluft zu liegen haben (xPs; T850 heute Mittag -4 bis 0°C), während nach Westen und Südwesten hin trockene Subtropikluft (xS; T850 um +10°C) wirksam ist. Wenn man so will eine wohldefinierte antizyklonale Baroklinität, die bei zyklonalen Rahmenbedingungen die Platzierung einer Luftmassengrenze auf der Wetterkarte zur Folge hätte. Egal, Fakt ist, dass die Temperatur zwischen Vorpommern und Lausitz so gerade mal auf 12, 13 oder 14°C hochkommt, wohingegen sich der gesamte Westen und Südwesten auf 19 bis 24°C freuen kann. Der Rest liegt irgendwo dazwischen mit der Einschränkung, dass es an Küstenabschnitten und auf Inseln mit auflandiger Windkomponente (wir reden von östlichen Winden) noch etwas kühler bleibt. In der Nacht zum Donnerstag bleibt das antizyklonale Setup noch stabil, auch wenn die o.e. vorlaufende Kaltfront die Nordsee erreicht und vorderseitig die Zufuhr hoher, im Nordwesten vielleicht auch einiger mittelhoher Wolken forciert. Über dem äußersten Osten schwebt weiterhin das Damoklesschwert tiefer Bewölkung, die - sofern sie eine gewisse Kompaktheit aufbringt, was aber unsicher ist - immerhin als Frostdämpfer agieren könnte. Ansonsten bringt auch die nächste Nacht wieder vornehmlich in der Südosthälfte sowie in den Mittelgebirgstälern leichten Frost zwischen 0 und -5°C, am Boden gebietsweise entsprechend darunter. Donnerstag... kommt wie bereits angedeutet etwas Abwechslung in die Bude, auch wenn wir von einem "richtigen" Wetterwechsel zunächst noch nicht sprechen können. Immerhin, das Bodenhoch zieht sich wenn auch langsam etwas nach Nordosten zurück und auch der mächtige Rücken bekommt ein paar Schwierigkeiten. Von Westen baggert der o.e. Trog, der sich zunehmend zu einem scharf geschnitten Kurzwellen-Modell entwickelt. Im Osten kratzt ein wuchtiges Höhentief mit Drehzentren über dem nahen Osteuropa. Kurzum, es kommt die berühmte Zangentaktik zum Einsatz, die zwar Spuren hinterlässt (allmählicher Potenzialabbau), den austrainierten Rücken aber keinesfalls gänzlich von seiner Position eliminiert. Und so kommt es, wie es bei vergleichbaren Lagen häufig kommt. Ja, es wird wolkiger, vor allem im Westen und Nordwesten, wo die vorlaufende, im Tagesverlauf aber von den Wetterkarten verschwindende Kaltfront die ersten Akzente setzt. Ansonsten aber scheint abgesehen von Cirren und ein paar AS-/AC-Schollen verbreitet und vielfach den ganzen Tag die Sonne. Am Nachmittag und Abend, wenn das okkludierende Frontensystem mit dem immer schmaler werdenden Warmsektor übergreift, können im Westen und Nordwesten hier und da ein paar Tropfen fallen, ohne dass der Kohl aber so richtig fett wird. Zuvor wird bei der Temperatur erneut der große Spagat nicht nur geübt, sondern auch gezeigt: 10 bis 15°C im Osten und Nordosten, Küste z.T. darunter, 19 bis 24°C im Westen und Südwesten. Nicht zu vergessen der insbesondere über der freien Nordsee, gegen Abend dann auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste auffrischende Südostwind, meist noch mit Böen 6 Bft, auf bei Südost anfälligen Helgoland 7 Bft. In der Nacht zu Freitag erreicht uns dann die Kaltfront des o.e. Sturmtiefs, das inzwischen munter Zellteilung betrieben hat und um 00 UTC mit drei Kernen (die "SASKIAs") um 985 hPa rum schmal und länglich über der Irminger See und der Dänemarkstraße liegt. Eingebettet ist die Front in einen scharf geschnittenen, fast rinnenartig daherkommenden Bodentrog, der vorder- als auch rückseitig im Nordwesten inkl. Nordsee sowie in Teilen der Ostseeküste einen spürbar auffrischenden Wind zur Folge hat (7-8 Bft, mit Druckanstiegswelle an der Nordsee vielleicht 9 Bft). Was noch bemerkenswerter ist aber die krasse Winddrehung von Südost auf Nordwest (nicht an der Ostsee, die noch längere Zeit vorderseitig bleibt), die also glatt mal 180° beträgt, was man auch nicht alle Tage sieht. Im unmittelbaren Vorfeld der Kaltfront kommt es zu einer Labilisierung und Anfeuchtung der präfrontalen Warmluft, so dass dort gebietsweise etwas CAPE generiert wird (MU maximal 10 bis 250 J/kg). Scherung ist auch vorhanden, dafür passt die Tageszeit nicht so richtig und auch der nachfolgende KW-Trog ist zunächst noch zu weit weg, um einen nennenswerten Hebungsinput zu leisten. Kurzum, ein bis zwei elektrische Schauer oder einzelne Gewitter - elevated - können im Westen und Nordwesten nicht gänzlich ausgeschlossen werden, aufdrängen tun sie sich auf der anderen Seite aber auch nicht. Interessant wird´s, wenn Front sowie Bodentrog/Rinne auf die im Osten noch lagernde Kaltluft treffen. Beide gelangen zudem unter den linken, diffluenten Ausgang eines sich von den Niederlanden südostwärts vorbohrenden Jetstreaks, so dass der Support aus der Höhe immer besser wird. Die Modelle würdigen das mit einer Intensivierung der bis dato eher etwas luschigen, diffus auftretenden Niederschläge, vor allem im Nordteil. Dabei passiert etwas, was man zu dieser fortgeschrittenen Jahreszeit vielleicht nicht unbedingt mehr vermuten würde. Niederschlags- und Verdunstungsabkühlung induzieren in der unteren Troposphäre eine vorübergehende Isothermie knapp über dem Gefrierpunkt, die den Regen teilweise in Schnee übergehen lässt. Nur kurzzeitig und nass, so dass davon nicht großartig was liegen bleibt, aber vielleicht reicht´s hier und da ja für etwas Matsch. Ganz im Osten, grob von Ostpommern bis hinunter zum Osterzgebirge/Zittauer Gebirge bleibt es bis zum Morgen noch niederschlagsfrei. Vorübergehend kühlt die Luft dort sogar nochmals in den leichten Frostbereich ab, bevor die Gegenstrahlung der aufziehenden Bewölkung dem Minuszeichen den Stecker zieht. Derweil lockert die Bewölkung im Westen in Teilen wieder auf. Freitag... ziehen Rinne und Front mit dem zugehörigen Niederschlag nach Polen und Tschechien bzw. auf die Ostsee ab. Wie lange das dauert und ob die Kaltfront nicht vielleicht schon vorher geblockt wird (und sich auflöst) vom über Nordosteuropa weiterhin präsenten QUIRIN, wird modellübergreifend derzeit noch unterschiedlich gehandhabt. Die deutsche Modellkette jedenfalls schlägt eine progressive Lösung vor. Anfangs kann es dabei z.T. noch schneien und ganz im Osten, wo der Südostwind dagegenhält, kann vorübergehend vielleicht sogar was liegenbleiben - abwarten. Regnen tut es zunächst auch noch in Süddeutschland, wo sich der Niederschlag aber mehr und mehr in die Gebiete südlich der Donau und final dann an den Alpenrand zurückzieht. Ansonsten steigt der Luftdruck von Westen her wieder an, wobei sich zur Mittagszeit über Benelux eine eigenständige Hochparzelle mit etwas über 1020 hPa niederlässt (Ableger des Azorenhochs; REINALD?). Leichte Gewinne auch beim Geopotenzial, wo sich der Rücken von Südwesten her regeneriert. In der vor allem in den Norden und die Mitte einfließenden maritimen Polarluft (mP; T850 0 bis -4°C, im Süden teils deutlich milder) eine gemischt-wolkige Gemengelage ein, bei der auch die Sonne zu unterschiedlich lang andauernden Auftritten kommt. Auf alle Fälle wird es frischer als bisher, wobei der Temperaturrückgang im Westen und Südwesten am krassesten ausfällt. Nix mehr mit 20+x°C, stattdessen "nur" 13 bis 18°C, in der Nordosthälfte gar nur 7 bis 13°C. Dazu weht an der See anfangs noch ein frischer, auf westliche Richtungen drehender Wind, der aber bereits im Laufe des Vormittags an Fahrt verliert und bis zum Abend nicht mehr der Rede wert ist. In der Nacht zum Samstag marschiert das o.e. Hoch unter Konturverlust rasch über den Vorhersageraum ostwärts hinweg. Das bringt uns unweigerlich auf die Vorderseite eines allerdings noch weit entfernten, aber sehr imposanten Sturmtiefs knapp nordwestlich von Irland (00 UTC). Mit einem Kerndruck von evtl. unter 960 hPa und seinen dicht gedrängten konzentrischen Isobaren erinnert das Tief an eine Vinyl-Schallplatte aus alten Tagen. So wuchtig das Tief auch ist, beschränkt sich sein hiesiger Impact zunächst lediglich auf einige WLA-getriggerte hohe, evtl. mittelhohe Wolkenfelder, die bei uns reinziehen. Tiefe Wolken hingegen werden weniger, im Süden bildet sich vornehmlich von der Donau südwärts stellenweise Nebel. Im Osten und Nordosten sowie der östlichen Mitte gibt es gebietsweise leichten Luftfrost. Frost in Bodennähe tritt deutlich häufiger und flächiger auf. Modellvergleich und -einschätzung -------------------------------------------------------------- Im Großen und Ganzen simulieren die Modelle die beschriebene Entwicklung ähnlich. Noch keine Einigkeit herrscht in Bezug auf die Kaltfront am Freitag im Osten: Abzug Richtung östliches Mitteleuropa oder Blockierung und Auflösung vor Ort. Hinsichtlich potenzieller Gewitter morgen Abend ist die Numerik gegenüber gestern ebenso zurückgerudert wie beim signifikanten Wind, der ebenfalls großflächiger geplant war. Mal sehen, was morgen früh noch davon übrig ist. Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach Dipl. Met. Jens Hoffmann